Nur in den seltensten Fällen erleidet der Nieren-Lebendspender selbst ein Nierenversagen; für diesen Fall sollte er auf der Transplantations-Warteliste privilegiert, also unter "high urgency" eingestuft werden, empfehlen die Nephrologen.
Die Überkreuzspende bietet trotz immunologischer Barriere oder Blutgruppen-Inkompatibilität zwischen Empfänger und Spender aussichtsreiche Möglichkeiten. "Erfahrungen aus unseren Nachbarländern und den USA lehren uns, dass eine Erweiterung der Überkreuz-Lebendspende auf mehrere Paare sinnvoll ist. Dabei werden nicht nur zwei, sondern gleich mehrere Paare für eine Spende evaluiert und so miteinander ´gematcht´, dass jedes Paar eine Niere spendet und der nierenkranke Partner eine immunologisch passende Spenderniere erhält (´Kettenspende´). Erfolgreiche Austauschprogramme existieren bereits in Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und Spanien.
Neben der Überkreuzspende und der Kettenspende befürworten Fachexperten die altruistische Lebendnierenspende. Von ihr können Menschen profitieren, die keinen spendewilligen Angehörigen oder Partner haben. Noch weiter gefasst ist eine ungerichtete anonyme Spende in einen ´Organpool´, wie dies in den USA praktiziert wird. Eine anonyme ungerichtete Spende kann auch im Rahmen von Kettenspenden sinnvoll eingesetzt werden."
Dabei ist - gesetzlich fundiert - obligatorisch, dass immer "die autonome Entscheidung potenzieller Spenderinnen und Spender durch ein entsprechendes Gremium überprüft werden muss, um zu evaluieren, ob die Betroffenen sich der längerfristigen Konsequenzen ihrer Entscheidung bewusst sind. Für spendefähige Menschen ist das gesundheitliche Risiko einer Nierenspende insgesamt als relativ gering zu betrachten," bestätigen Sommerer und Zeier in ´Nieren - und Hochdruckkrankheiten´.