Kriegsmüde Soldaten, Pazifisten oder gar Verräter? Für die Desertion vom Kriegsgeschehen gibt es verschiedene Gründe. Vor allem in den zwei Weltkriegen haben sich unzählige Soldaten von ihrer Truppe abgewandt und ihre Waffen niedergelegt. Ein Verhalten, das in vielen Fällen Folgen hatte, oft mit dem Tod bestraft wurde.
Die Aktionen vieler Deserteure trugen in der Distanzierung von einem verbrecherischen Krieg heroische Züge. Seit den 1980er Jahren werden diese Persönlichkeiten mit einem neuen Typus von Denkmälern gewürdigt: Erinnerungsorte für Deserteure.
Deserteursdenkmäler stehen in ganz Deutschland: von Hamburg und Bremen über Köln bis hin nach Stuttgart und Tübingen – besonders häufig in Grenzgebieten der ehemaligen DDR, Görlitz, Löbau, Ebersdorf.
In Potsdam steht das vielleicht bekannteste: Das „Denkmal für den unbekannten Deserteur“, ein eindringliches Bildnis aus weißem Marmor, geschaffen 1989 vom türkischen Bildhauer Mehmet Aksoy. Die Geschichte dieses Kunstwerks steht stellvertretend für die Reaktion und kontroverse Diskussion um alle Deserteursdenkmäler: Die geplante Aufstellung auf dem Friedensplatz in Bonn scheiterte bereits an einer Abstimmung im damaligen Stadtparlament. Fahnenflucht würde damit verherrlicht, hieß es mehrheitlich. Das Denkmal wurde nach der Wende 1990 nach Potsdam transportiert, steht dort nun auf dem Platz der Einheit. Nicht einmal zehn Jahre später, 1997, beschloss die Potsdamer Stadtversammlung die dauerhafte Aufstellung auf diesem Platz – mit einer überwältigenden Mehrheit.
Auch andere Deserteursdenkmäler wurden und werden von vielen Seiten abgelehnt. Da Desertion aber nicht nur Fahnenflucht oder Vaterlandsverrat bedeutet, sondern auch ein mutiges Statement gegen Ungerechtigkeit, sinnlose Gewalt und Verbrechen sein kann, haben die zahlreichen Erinnerungsorte ihre Berechtigung.
Literatur:
Peter Richter & Norbert Haase: Denkmäler ohne Helden. Pabst 2019, 221 Seiten, ISBN Paperback 978-3-95853-502-2. ISBN eBook 978-3-95853-503-9