Als D-Dimere bezeichnen Mediziner Spaltprodukte des Fibrins, einem wichtigen Eiweiß zur Blutgerinnung. Kommt es im Körper zu einem Blutgerinnsel und wird es wieder aufgelöst, entstehen D-Dimere. Deshalb wird der D-Dimer-Wert in der Regel bei Verdacht auf eine Lungenembolie, eine Beinvenenthrombose oder eine sogenannte Disseminated intravascular coagulation (DIC) bestimmt. Bei einer DIC wird das Blutgerinnungssystem zu stark aktiviert. Infolge dessen sinkt die Konzentration an Gerinnungsfaktoren im Blut, so dass die Blutungsgefahr insgesamt zunimmt.
Professor Giuseppe Lippi leitet die Labormedizin am Universitätsklinikum Verona (Italien). Gemeinsam mit Professor Emmanuel J. Favaloro, Leiter des Hämostaselabors am Institut für klinische Pathologie und medizinische Forschung des Westmead Hospital in Sydney (Australien) hat fünf aktuelle Studien gesichtet, die sich mit dem D-Dimer-Wert von COVID-19-Patienten beschäftigen. „Sie alle zeigen, dass der D-Dimer-Wert bei COVID-19-Patienten oft erhöht sind. Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf hatten dabei im Vergleich höhere Werte als solche mit einem milderen“, erklären sie in der Fachzeitschrift „Thrombosis and Haemostasis“. Die Werte der D-Dimere lagen bei Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf bis zu neunmal höher als bei Betroffenen, die nicht intensivmedizinisch betreut und beatmet werden mussten. Die Mehrheit der Betroffenen, die an COVID-19 verstarben, wiesen eine DIC oder eine andere schwere Gerinnungsstörung auf.
Lippi und Favaloro regen deshalb weitere Studien an, die D-Dimer-Werte von COVID-19-Patienten in den Fokus nehmen. Gegebenenfalls könnten schwer erkrankte Patienten von einer kontinuierlichen Messung der Werte und einer darauf abgestimmten Gabe gerinnungshemmender Medikamente profitieren.
Literatur:
Thrombosis and Haemostasis 2020; online erschienen als “Letter to the Editor” am 3.4.2020
Quelle:
www.thieme.de