Schmidt-Ott zählt die herkömmlichen diagnostischen Hinweise auf: "Relevant ist insbesondere die Evaluation bzgl. potenzieller schädigender Ereignisse (z.B. SIRS/Sepsis, Kontrastmittel, Medikamente) und Komorbiditäten (z.B. chronische Nierenerkrankung, Autoimmunerkrankungen). Die klinischen Zeichen haben bei AKI eine äußerst geringe Sensitivität. Hinweisend sind Urämiesymptome sowie Störungen des Elektrolyt- und Volumenhaushalts (z.B. Ödeme, orthostatische Hypotonie) sowie Begleitsymptome (z.B. sonstige Organmanifestationen, Fieber)." Die Details erläutert der Nephrologe unter den Stichworten Serum-Kreatinin, Urinausfuhr, Urinsedimentanalyse, Serum- und Urin-Indizes, Labordiagnostik, Sonographie.
Die neuen Möglichkeiten einer Frühdiagnose sind in vielen Kliniken in Deutschland noch nicht routinemäßig verfügbar: weder die neuen Biomarker zur Diagnose einer strukturellen Nierenschädigung, noch die Elektronischen Alarmsysteme zur AKI-Frühdetektion. Hier liegen wesentliche Entwicklungspotentiale für einen frühzeitigen Behandlungsbeginn mit optimalen Erfolgsaussichten. Wie Schmidt-Ott berichtet, haben neuere Studien auch für die Therapie nützliche Hinweise gebracht, z.B. "dass eine Therapie mit balancierten kristalloiden Lösungen im Vergleich zu isotonischer Kochsalzlösung Vorteile für das renale Langzeit-Outcome bietet ..."
Während die Wertigkeit früher, aggressiver Volumentherapie bei Intensivpatienten gut belegt ist, gibt es deutliche Hinweise, dass Volumenüberladung in der postakuten Phase kritischer Erkrankungen mit schlechten klinischen Verläufen assoziiert ist. Der volumenrestriktive Ansatz ermöglicht eine frühere Entwöhnung von der mechanischen Beatmung sowie eine Verkürzung des Intensivaufenthalts.
Jan T. Kielstein: AKI in Zeiten von COVID-19
Philipp Kümpers: Akute Nierenschädigung auf der Intensivstation
Kai M. Schmidt-Ott: Akute Nierenschädigung/Acute Kidney Injury (AKI): Definition, Prognose, und Stellenwert von Biomarkern
Die drei Beiträge sind enthalten in:
Akademie Niere (Hrsg.): Lehrbuch für Nieren- und Hochdruckkrankheiten 2021
Pabst, 756 Seiten. Hardcover ISBN 978-3-95853-697-5, eBook 978-3-95853-698-2