„Schneller Zugang zur Transplantation gerade für Mädchen entscheidend“
„Die Ergebnisse sind für uns Pädiater ein echter Meilenstein“, sagt Professorin Dr. Dr. Anette Melk, Oberärztin an der MHH-Klinik für Pädiatrische Nieren-, Leber und Stoffwechselerkrankungen. „Mädchen leiden nicht nur stärker unter der eingeschränkten Nierenfunktion und der Wartezeit auf ein Organ, sie erhalten laut einer europäischen Studie auch seltener als Jungen eine präemptive Transplantation, also eine Transplantation vor dem völligen Versagen der Nierenfunktion und der Notwendigkeit der Dialyse, der Blutwäsche‚ die ja die fehlende Entgiftungsfunktion der Niere bis zur Transplantation ersetzen soll“, betont die Professorin für Interdisziplinäre Experimentelle Transplantationsmedizin „Dabei wäre ein schneller Zugang zur Transplantation gerade für Mädchen entscheidend, um genau diesen geschlechtsspezifischen Unterschieden entgegenzuwirken.“
55 europäische Zentren aus 14 Ländern beteiligten sich an der Studie. Zehn Jahre sammelte das Konsortium Daten von Kindern mit chronischer Nierenerkrankung im Alter von sechs bis 17 Jahren, und beobachtete sie im Verlauf ihrer Erkrankung bis zum Eintreten der Dialysepflichtigkeit und nach Nierentransplantation. Die Patientinnen und Patienten wurden jährlich umfassend zu ihrem kardiovaskulären Status sowie auf vorhandenen Risikofaktoren untersucht. Insgesamt wurden mehr als 700 Kinder und Jugendliche in die Studie eingeschlossen, ein Drittel von ihnen wurde während des Beobachtungszeitraumes transplantiert. So konnten fast 1.400 Datenpunkte mittels eines komplexen statistischen Modellierungsverfahrens analysiert werden, um den Faktor hinter den Geschlechtsunterschieden im Verlauf der arteriellen Steifigkeit zu entschlüsseln.