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    Nach Ganzkörper-Plastination "ewig leben"

    Der Anatom Dr. Günther von Hagens ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Er war international bekannt als Erfinder der Ganzkörper-Plastination von Menschen und Tieren: Er entfernte Flüssigkeiten und Fette aus dem Leichnam, ersetzte sie durch Kunststoffe und machte damit den Körper haltbar - oft in spektakulärer Pose. In der Körperwelten-Wanderausstellung zeigte von Hagens weltweit seine Plastinate und beeindruckte ein Publikum von mehreren Millionen Menschen. Der spektakuläre - auch finanzielle - Erfolg hat Dutzende Nachahmer gefunden.

    "Die Plastinate sind u.a. für Werbezwecke auf der Loveparade gewesen, für Fotoshootings durch die Städte gefahren und in Schaufenstern ausgestellt worden, als ´lebendige´ Anatomie sind sie bei den sogenannten ´Nackten Nächten´ von fast unbekleideten ´Modellen´ ´erläutert´ und in Hochglanzzeitschriften abgebildet worden," berichtet die Sozialwissenschaftlerin Dr. Liselotte Hermes da Fonseca.  "Aber nicht nur die Entwicklung der Ausstellung zeigt einen immer ´flexibleren´ Umgang von Hagens mit den Körpern. Behauptet er stets, in der Ausstellung ausschließlich Körper der so genannten ´freiwilligen Körperspender´ verwendet zu haben, stellt" die Wissenschaftlerin kritische Fragen. 

     

    "Die den Körperspendern suggerierte Idee, als echtes Ganzkörperplastinat erhalten zu bleiben, wird nicht erst bei den Restaurationsarbeiten durchkreuzt, sondern durch die Technologie selbst. Wenn verschiedene Organe verschiedene Verfahren und Kunststoffe erfordern, müssen die Körper in Einzelstücke zerlegt werden. Wenn sie dabei in verschiedenem Umfang schrumpfen, ist nicht garantiert, dass das sogenannte individuelle Ganzkörperplastinat aus einem einzigen Körper zusammengesetzt wird. Die Rede vom ´ganzen´ Körper scheint angesichts dessen, was man zu sehen bekommt, so oder so absurd: Waren die Körper in Mannheim noch vollkommen zerfetzt, haben sie mittlerweile immer mehr die Posen und Formen klassischer Muskelmänner angenommen. Dabei mag der Eindruck eines vollständigeren Körpers erweckt werden, doch mögen sich darin noch die ´verwendbaren´ Organe befinden?

     

    Schon lange gibt es einen blühenden Handel mit menschlichen Körpern und Körperteilen. Was von Hagens aber anstrebt, hat eine andere Dimension. Er verdient nicht nur am Verkauf von Kunststoffen und technischen Werkzeugen zur Plastination, an der Lehre seines Verfahrens und am Verkauf von Plastinaten an wissenschaftliche Institute, sondern auch an der Ausstellung, den Katalogen und Souvenirs. Dabei zeichnet sich eine Entwicklung ab, die zeigt, dass er die Plastination für den privaten Gebrauch öffnen und eine breite Nachfrage jenseits des wissenschaftlichen Metiers schaffen will", schreibt Hermes da Fonseca.

     

    Dr. von Hagens hat verfügt, dass selbstverständlich auch sein Leichnam nicht beerdigt, sondern für die Nachwelt plastiniert wird - und dass seine Familie die Firma tatkräftig fortführt.

     

    Liselotte Hermes da Fonseca, Thomas Kliche (Hrsg.) Verführerische Leichen - verbotener Verfall. ´Körperwelten´ als gesellschaftliches Schlüsselereignis.
    Pabst 448 Seiten, ISBN 978-3-89967-169-8 

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