Artikeldetailansicht
Bestätigung des Status-Codes (nur bei kostenpflichtigem Kauf)
rausch – Wiener Zeitschrift für Suchttherapie, 2026.15:186-195
Zur Entwicklung eines Manuals „Balance your gambling“
Zusammenfassung:
Nur fünf bis zehn Prozent der Menschen mit problematischem Glücksspielverhalten erreichen professionelle Hilfe – und nur ein Bruchteil davon ist bereit, ein abstinentes Leben zu führen (Braun, 2013; Laging, 2009). Obwohl das deutsche Suchthilfesystem viele Angebote bereithält, ist die Voraussetzung für den Zugang meist die vollständige Abstinenz. Dies schließt viele potenziell hilfesuchende Menschen mit einer Glücksspielstörung aus. Es wurde daher in der Kölner Fachstelle für Glücksspielsucht im Jahr 2018 berechtigterweise hinterfragt, ob diese einseitige Ausrichtung mit einer klientenzentrierten Haltung vereinbar ist – und ob sie nicht gerade diejenigen ausschließt, die erste Schritte zur Veränderung gehen wollen.
In dem vorliegenden Artikel wird erstmals ein Gruppenmanual zum zieloffenen Umgang mit dem Glücksspiel vorgestellt und evaluiert, welches im Rahmen einer Masterthesis eigenständig entwickelt wurde. Als theoretische Einführung werden zunächst die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten und -ziele in der Suchthilfe dargestellt. Dabei wird weniger auf bestehende abstinenzorientierte Behandlungsprogramme Bezug genommen, denn diese sind bekannt, sondern fokussierter auf nicht-abstinenzausgerichtete Angebote von stoffgebundenen und stoffungebundenen Abhängigkeiten eingegangen. Im Anschluss erfolgt eine beispielhafte Vorstellung und theoretische Erklärung zum entwickelten Gruppenmanual „Balance your gambling“. Zuletzt werden die Ergebnisse aus der qualitativen Erhebung durch Expert:inneninterviews evaluiert. Dabei werden auf der Basis einer Betrachtung der Versorgungsstruktur die Hypothese der Notwendigkeit von Reduktionsprogrammen zur verbesserten Zielgruppenerreichbarkeit im Glücksspielbereich sowie die Ergebnisse einer explorativen Expert:innenbefragung zum entwickelten Manual vorgestellt. Der Artikel schließt mit einer Diskussion der Ergebnisse und einem Fazit ab.
Schlüsselwörter:
Abstract:
Only five to ten percent of people with problematic gambling behaviour seek professional help – and only a fraction of them are willing to lead a life of abstinence (Braun, 2013; Laging, 2009). Although the German addiction support system offers many services, complete abstinence is usually a prerequisite for access. This excludes many people with a gambling disorder who are potentially seeking help. In 2018, the Cologne Centre for Gambling Addiction rightly questioned whether this one-sided approach is compatible with a client-centred attitude – and whether it excludes precisely those who want to take the first steps towards change.
This article presents and evaluates, for the first time, a group manual for open-ended approaches to gambling, which was developed independently as part of a master’s thesis. As a theoretical introduction, the current treatment options and goals in addiction support are outlined first. The focus is less on existing abstinenceoriented treatment programmes, as these are well known, and more on non-abstinence-oriented services for substance-related and non-substance-related addictions. This is followed by an exemplary presentation and theoretical explanation of the developed group manual ‘balance your gambling’. Finally, the results of the qualitative survey conducted through expert interviews are evaluated. Based on an analysis of the care structure, the hypothesis of the need for reduction programmes to improve target group accessibility in the gambling sector is presented, as well as the results of an exploratory expert survey on the manual developed. The article concludes with a discussion of the results and a summary.
Keywords: