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Psychosoziale und Medizinische Rehabilitation, 2025.38:224-234
Ambulante vs. stationäre orthopädische MBOR: Erkenntnisse zur Wahrnehmung, Umsetzung sowie der Förderung der beruflichen Teilhabe
Zusammenfassung:
Intendiert wurde ein Vergleich ambulanter und stationärer orthopädischer Stufe-B-Leistungen hinsichtlich der Umsetzung der Kernangebote sowie der Förderung der beruflichen Teilhabe.
Die Reha-Statistik-Datenbasis wurde herangezogen, um Unterschiede in Bezug auf die im Entlassungsbericht dokumentierten Umfänge der Kernangebote sowie die Förderung der beruflichen Teilhabe zu untersuchen. Betrachtet wurden pflichtversicherte Personen mit MBOR-Stufe-B-Heilverfahren in den Jahren 2018–2019, deren erste Entlassungsdiagnose dem ICD-10-Kapitel XIII zugehörig war. 2023 wurde zudem eine bundesweite Befragung von Einrichtungen mit Zulassung für orthopädische Stufe-B-Leistungen durchgeführt. Eingesetzt wurde ein selbstentwickelter, an den Vorgaben des MBOR-Anforderungsprofils angelehnter Fragebogen. 13 Therapeutinnen und Therapeuten wurden darüber hinaus im Rahmen von Interviews zu persönlichen Setting-Präferenzen befragt.
Bei 25,7 % der ambulanten und 37,1 % der stationären Rehabilitandinnen und Rehabilitanden wurden Kernangebote im Umfang von mindestens 11 h dokumentiert (n = 46.276). Nach Adjustierung für gesundheits- und erwerbsbezogene Merkmale waren regressionsanalytisch keine Hinweise auf die Überlegenheit einer Reha-Form hinsichtlich der Förderung der beruflichen Teilhabe zu beobachten (OR = 0,96 (95% KI: 0,90 – 1,03), p = .3; Referenzkategorie = stationäres Setting). Die Ergebnisse der Befragung spiegelten eine ausgeprägte Heterogenität hinsichtlich der Umsetzung des MBOR-Anforderungsprofils wider, wobei die ambulanten Einrichtungen tendenziell durch eine stärkere Anforderungsorientierung gekennzeichnet waren. Die berichteten Anteile der Stufe-B-Leistungen lagen vielfach unter 10 %. In den durchgeführten Interviews wurde die Chance einer Inanspruchnahme der Leistungen trotz familiärer/häuslicher Anforderungen als Vorteil des ambulanten, dagegen die Möglichkeit des Abstandnehmens und der Besinnung auf die eigene Person als Vorteile des stationären Settings benannt.
Durch das ambulante und stationäre Setting können verschiedenartige Bedarfe von Rehabilitandinnen und Rehabilitanden mit besonderen beruflichen Problemlagen adressiert werden. In beiden Reha-Formen werden bislang jedoch weniger Personen als vorgesehen der Stufe B zugewiesen und auch innerhalb dieser Leistungen werden die Vorgaben des MBOR-Anforderungsprofils vielfach nicht umgesetzt. Bezüglich der Förderung der beruflichen Teilhabe deuteten die Ergebnisse auf eine Gleichwertigkeit der Settings hin.
Schlüsselwörter:
Outpatient vs. inpatient orthopedic MBOR: Findings on the perception, implementation, and promotion of vocational participation
Abstract:
The study aimed to compare outpatient vs. inpatient work-related medical rehabilitation (WMR) with regard to the treatment dose of work-related interventions and the promotion of work participation in patients with musculoskeletal disorders. The rehabilitation statistics database of the German Pension Insurance was used to examine differences regarding the extent of work-related interventions documented in the discharge report as well as the promotion of work participation. The analysis included patients with a primary ICD-10 Chapter XIII discharge diagnosis who underwent WMR in 2018 or 2019. In 2023, a nationwide survey was conducted among rehabilitation facilities authorized to carry out WMR in patients with musculoskeletal disorders. A self-developed questionnaire was used to examine the implementation of the WMR requirements. Additionally, 13 therapists were interviewed regarding their setting preferences. In 25.7% of the outpatient and 37.1% of the inpatient rehabilitants, work-related services were documented with a total duration of at least 11 hours (n = 46,276). With regard to the promotion of work participation, no significant difference was observed between inpatient and outpatient WMR (OR = 0.96, 95% CI [0.90, 1.03], reference: inpatient WMR). The survey results reflected pronounced heterogeneity regarding the implementation of the WMR requirement profile, with outpatient facilities generally showing a stronger orientation towards work demands. The proportion of WMR services was frequently quantified at less than 10%. In the interviews, outpatient rehabilitation was perceived as beneficial due to its compatibility with family and household responsibilities, while the inpatient setting was valued for enabling distance from everyday life and personal reflection. Outpatient and inpatient rehabilitation measures can address various needs of rehabilitants whose work participation is at risk. However, in both settings, fewer individuals than expected are assigned WMR measures. Furthermore, the WMR requirements are frequently not met. With regard to the promotion of work participation, the results indicated comparable benefits.
Keywords: