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rausch – Wiener Zeitschrift für Suchttherapie, 2025.14:30–39

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Gallus Bischof
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rausch – Wiener Zeitschrift für Suchttherapie
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03-03-2026
DOI:
10.2440/002-0036

Die Inflationierung des Suchtbegriffs: Konsequenzen für Politik, Forschung und Versorgung

Zusammenfassung:

Unstrittig ist, dass Abhängigkeitserkrankungen – wie alle anderen Erkrankungen – hinsichtlich Schwere und Chronizität variieren. In neueren Klassifikationssystemen wie dem DSM-5 wurde deshalb eine diagnostische Differenzierung in leichte, moderate und schwere Substanzgebrauchsstörungen vorgenommen. Während diese Schweregradeinteilung jedoch auf einer kriterienorientierten Diagnostik beruht, werden in der Forschung – sowohl hinsichtlich epidemiologischer Befunde als auch bei Interventionsstudien – oftmals Konsummaße oder Screeningverfahren zur „Definition“ von Störungen herangezogen und insbesondere in Übersichtsarbeiten oder populärwissenschaftlichen Darstellungen eine Inflationierung des Suchtbegriffs vorangetrieben, die nicht mehr zwischen gesundheitlicher Risikoerhöhung und psychischer Störung unterscheidet. Teilweise werden neue Konzepte wie „heavy use over time“ oder „pre-addiction“ vorgeschlagen, um subklinische Phänomene in den Suchtbegriff zu inkludieren. Empirisch und konzeptionell ist eine solche Erweiterung des Suchtbegriffs jedoch wenig überzeugend. Bezogen auf Epidemiologie, Prävention und Versorgung besteht die Gefahr, dass Schlussfolgerungen aus mehrheitlich subklinischen Stichproben zu inadäquaten und möglicherweise schädlichen Konsequenzen für die Gruppe der Personen mit klinisch bedeutsamen Beeinträchtigungen führen. Der vorliegende Beitrag skizziert anhand einschlägiger Arbeiten Implikationen für das Verständnis und die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen.

Schlüsselwörter:

Sucht, riskanter Konsum, Prävalenz, Medikalisierung, Evidenzbasierung, Symptomatik

Abstract:

It is undisputed that addiction-type disorders – like all other illnesses – vary in terms of severity and chronicity. In newer classification systems such as the DSM-5, a diagnostic differentiation has therefore been made between mild, moderate and severe substance use disorders. While this severity classification is based on a criteria-oriented diagnosis, in research – both with regard to epidemiological findings and in intervention studies – consumption or screening rates procedures are often used as ‘definition’ of disorders and, particularly in reviews and popular scientific presentations, an inflation of the concept of addiction is promoted which no longer distinguishes between an increase in health risk and a mental disorder. In some cases, new concepts such as ‘heavy use over time’ or ‘pre-addiction’ are proposed in order to include subclinical phenomena in the concept of addiction. Empirically and conceptually, however, such an expansion of the concept of addiction is not convincing. With regard to epidemiology, prevention and care, there is a risk that conclusions drawn from mostly subclinical samples will lead to inadequate and potentially harmful consequences for the group of people with clinically significant impairments. This article outlines implications for the understanding and treatment of addiction disorders.

Keywords:

addiction, at-risk consumption, prevalence, medicalisation, evidence-based, symptomatology
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