Wilhelm Wundt (1832-1920): Gesamtwerk: Einführung, Zitate, Kommentare, Rezeption, Rekonstruktionsversuche

Fahrenberg, Jochen
2018, 408 Seiten
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Wundts Konzeption der Psychologie entstand während einer jahrzehntelangen Forschung
und Lehrtätigkeit, die ihn von der Neurophysiologie zur Psychologie und Philosophie
führt. Er hat damit einen theoretischen Horizont geschaffen wie kein späterer
Psychologe.


Sinnespsychologie, Neuropsychologie, Psychophysiologie, Tierpsychologie, Allgemeine
Psychologie, Kulturpsychologie, Ethik, Erkenntnistheorie und Methodologie,
Philosophie

Die Allgemeine Psychologie und die Kulturpsychologie („Völkerpsychologie“) haben
eine gemeinsame Basis in Wundts Prozesstheorie psychischer Verbindungen: der
Apperzeptionstheorie. Wundt hat auch die erste genuine Wissenschaftstheorie der
Psychologie entwickelt. Dazu gehört eine vielseitige Methodik, gleichermaßen eine
Kompetenz für das experimentelle und das interpretative Verfahren.

Wenn zeitweilig im Hauptstrom der Psychologie einseitige Auffassungen anziehend
sind – Kognitivismus oder neurowissenschaftlicher Reduktionismus, die narrative
Wende oder die computergestützten Modellierungen, die qualitative Psychologie, die
phänomenologische Orientierung, die Psychoanalyse oder die gesellschaftskritische
Neue Psychologie – ist es angebracht, an den theoretischen Horizont des Gründers der
Psychologie als Disziplin zu erinnern. Er versuchte, geisteswissenschaftliche und naturwissenschaftliche
Forschungsrichtungen zu verbinden – in einem souveränen Umgang
mit den kategorial grundverschiedenen Betrachtungsweisen des Zusammengehörigen.
Hier argumentierte Wundt bereits in
der Gründungsphase der Psychologie auf einem
hohen Anspruchsniveau metawissenschaftlicher Reflexion,
und dieses Anregungspotenzial ist bei weitem
nicht ausgeschöpft.

Das sagen die anderen: