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Wenn Pflegende ihre Macht missbrauchen

Ein Tabuthema: Gewalt von Pflegenden an Patienten. Wie kann es dazu überhaupt kommen? Gibt es Möglichkeiten, um Taten zu verhindern? Prof. Dr. Jürgen Osterbrink (Salzburg) hat die Risiken unter die Lupe genommen und versucht, Erklärungen sowie Lösungen für gewalttätige Pflegebeziehungen zu finden (nachzulesen im Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung, Ausgabe II/2018).

Aggression und Gewalt kommen in allen Lebensbereichen unserer Gesellschaft vor. Dass allerdings ein so empfindlicher Bereich wie die Kranken- und Altenpflege davon betroffen sein könnte, war lange nicht vorstellbar – bis extreme Fälle von Misshandlung bis hin zur Tötung von pflegebedürftigen Menschen durch Angehörige der Gesundheitsberufe Schlagzeilen machten und die Öffentlichkeit erschütterten.

Wie kann es so weit kommen? Klar ist, dass ein pflegebedürftiger Mensch auf die Hilfe von Pflegenden angewiesen ist und in eine abhängige Situation gerät. Jürgen Osterbrink macht aber auch deutlich, dass allein diese Konstellation keinesfalls zwangsläufig zu Gewalt führt: „Gewalt hat immer eine Vorgeschichte. Selten ist ein Umstand allein verantwortlich für die Taten, sondern erst das Zusammenspiel mehrerer Faktoren.“ Diese können in Persönlichkeitseigenschaften der Täter gründen, im strukturellen Umfeld der Einrichtung oder in Verhaltensweisen der Opfer, die bei den Tätern z.B. zu Frustration führen.

Wie kann man diesen starken Missbrauch der Vertrauensbeziehung innerhalb der Pflege verhindern? Osterbrink spricht sich vor allem für Maßnahmen der Primärprävention aus: Risikofaktoren müssen erkannt und behoben werden. „Durch eine gute Gesprächskultur, eine reibungslose Kommunikation, den professionellen Umgang mit Gefühlen, ein ausreichendes Fachwissen über Gewalt und durch ein angenehmes Arbeitsumfeld sollen die Entstehungsquellen für Gewalt und aggressives Verhalten weitestgehend minimiert werden.“  

Jürgen Osterbrink: Gewalt in der Pflege – ein Tabu wird öffentlich. Journal für Anästhesie und Intensivbehandlung, Ausgabe II/2018 (S. 82–84). Pabst Science Publishers.

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