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Zu teuer, zu langsam, zu unflexibel? Warum Elektrofahrzeuge besser als ihr Ruf sind

Elektroautos können zumindest ein Teil der Lösung für viele Umwelt- und Klimaprobleme sein. Doch eignen sich die heutigen E-Modelle bereits für eine regelmäßige Nutzung im Berufspendelverkehr? Rechtfertigen bestehende Akzeptanzbarrieren wie eine unzureichende Reichweite oder Ladeinfrastruktur, die geringe Größe sowie Höchstgeschwindigkeit die breite Ablehnung der elektrisch angetriebenen Fahrzeuge? Axel Ensslen vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Kollegen haben in einer mehrjährigen Studie festgestellt, dass die Akzeptanz von Elektroautos nach intensiver Nutzung der Fahrzeuge deutlich anstieg. Die Studie wurde veröffentlicht in der Zeitschrift Umweltpsychologie, Ausgabe 1/2018.

Laut neuester Studienergebnisse des Weltklimarats kann nur ein drastischer Rückgang des Kohlendioxid-Ausstoßes eine künftige weltweite Klimakatastrophe verhindern. Autos, seien es Benziner oder Diesel, stoßen eine große Menge dieses gefährlichen Treibhausgases aus – da liegt es nahe, auf Elektromobilität umzusteigen. Viele Projekte dieser Art werden staatlich gefördert, bis 2030 sollen 6 Millionen elektrische PKW auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Und auch wenn in den letzten Jahren viele Elektroautos den Weg in den Markt gefunden haben, kann von einer allgemeinen umweltverträglichen Autonutzung noch lange nicht die Rede sein.

Axel Ensslen und Kollegen haben einen dreijährigen Feldtest mit elektrisch angetriebenen PKW durchgeführt, um die Akzeptanz und (auch wirtschaftliche) Alltagstauglichkeit bei hoher Fahrleistung im Berufspendelverkehr zu überprüfen. Bereits zu Beginn der Studie zeigte sich, dass z.B. die Bewertung fahrdynamischer Eigenschaften der Elektroautos nach den ersten Erfahrungen mit den Vehikeln durchweg positiver ausfällt. E-Autos haben offensichtlich mit einem „schlechten Ruf“ zu kämpfen, was ihre Fahrdynamik, Reichweiten, aber auch Ladeinfrastruktur und Anschaffungskosten angeht.

Die Studie konnte vor allem positive Rückmeldungen der teilnehmenden Berufspendler feststellen. Viele hatten nach der Testphase weiterhin großes Interesse, ihren Berufsweg mit einem E-PKW zurückzulegen. Tatsächlich gab es durchaus Unannehmlichkeiten wie Zwischenfälle beim Laden oder technische Probleme, die aber durch die geringeren Kosten und klaren Vorteile für die Umwelt billigend in Kauf genommen wurden. Letzteres stellte sich als wichtigster Faktor für die Akzeptanz von Elektroautos heraus: Je höher das Umweltbewusstsein der Teilnehmenden, desto stärker waren sie auch vom Nutzen der Fahrzeuge überzeugt.

Letztlich machen die Ergebnisse deutlich, dass die heutigen E-PKW besser sind als ihr Ruf: Auf jeden Fall sind sie eine wichtige Möglichkeit, die CO2-Emmissionen zu reduzieren und dem Klimawandel zumindest ein Stück weit die Stirn zu bieten.  

 

Axel Ensslen, Katharina Wohlfahrt, Patrick Jochem, Maximilian Schücking, Wolf Fichtner: Nutzerakzeptanz von Elektrofahrzeugen: Berufspendlergemeinschaften als Anwendungsfall. In Umweltpsychologie, Ausgabe 1/2018, S. 30–54. Pabst Science Publishers.

www.umweltpsychologie.de/zeitschrift-umweltpsychologie/

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