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10 Risikofaktoren tragen wesentlich zum Schlaganfallrisiko bei

Die vorab online präsentierte INTERSTROKE-Studie zeigt, dass insgesamt 10 Risikofaktoren (darunter Bluthochdruck, Rauchen und Taille-Hüft-Verhältnis) zu 90 Prozent des Schlaganfallrisiko erklären. Die Studie wird auf dem World Congress of Cardiology (WCC) in Peking vorgestellt werden, Verfasser sind Dr. Martin J. O’Donnell und Dr. Salim Yusuf von der McMaster University im kanadischen Hamilton sowie Kollegen der Interstroke-Forschung.

Der Beitrag verschiedener Risikofaktoren zur weltweiten Belastung durch Schlaganfälle ist nicht bekannt, insbesondere in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus, wo die Rate der Schlaganfälle am größten ist. In der ersten Phase der INTERSTROKE-Studie versuchten die Autoren, die Verknüpfung zwischen bekannten und neu hervortretenden Risikofaktoren des Schlaganfalls und seiner primären Subtypen festzulegen, den Beitrag dieser Faktoren zur Belastung durch Schlaganfälle zu bewerten und die Unterschiede zwischen den Risikofaktoren für Schlaganfall und Herzinfarkt zu erforschen.

Die Autoren verwendeten die zwischen März 2007 und April 2010 erhobenen Daten von 6000 Personen (3000 mit Schlaganfall, 3000 Kontrolle) aus weltweit 22 Ländern. Zu den Fällen zählten Patienten mit einem ersten akuten Schlaganfall (innerhalb von 5 Tagen nach dem Auftreten der Symptome und 72 Stunden nach Krankenhauseinlieferung). Kontrollpersonen hatten keine Vorgeschichte eines Schlaganfalls und wurden den Fällen hinsichtlich Alter und Geschlecht zugeordnet. Alle Teilnehmer vervollständigten einen gegliederten Fragebogen und durchliefen eine ärztliche Untersuchung, die meisten lieferten außerdem Blut- und Urinproben. Die Autoren berechneten erhöhte und populationsattributable Risiken (PARs) für die Verknüpfung aller Schlaganfälle, ischämischer Schlaganfälle und intrazerebraler Blutungen mit ausgewählten Risikofaktoren.

Die Forscher bewerteten die folgenden 10 Risikofaktoren als signifikant mit dem Schlaganfall verknüpft: Hoher Blutdruck, Rauchen, Taille-Hüft-Verhältnis (abdominale Adipositas), Ernährung, körperliche Aktivität, Fette, Diabetes mellitus, Alkoholkonsum, Stress und Depressionen sowie Herzstörungen.

Insgesamt trugen diese Risikofaktoren zu 90 Prozent des PAR für alle Schlaganfälle bei. Diese Risikofaktoren waren alle signifikant für den ischämischen Schlaganfall (verursacht durch einen ein Gefäß des Gehirns verstopfenden Blutpfropfen), wohingegen Bluthochdruck, Rauchen, Taille-Hüft-Verhältnis, Ernährung und Alkoholkonsum signifikante Risikofaktoren der intrazerebralen Blutung (Einblutungen in das Gehirngewebe) sind. Das Verhältnis guter zu schlechter Blutfette (Apolipoproteine) ist ein wichtiger Risikofaktor für den ischämischen, jedoch nicht für den hämorrhagischen Schlaganfall.

Bei der Betrachtung individueller Risikofaktoren ist es nach Meinung der Autoren wichtig, festzuhalten, dass sich die individuellen PARs der Risikofaktoren nicht zum Gesamt-PAR-Wert aller kombinierten Risikofaktoren aufsummieren. Dies liegt daran, dass viele Riskofaktoren in Wechselbeziehung stehen. Die Studie untersuchte auch jeden Risikofaktor unabhängig und stellte fest, dass hoher Blutdruck der wichtigste Faktor für den Schlaganfall war. Hoher Blutdruck war mit einem Drittel des Risikos für alle Schlaganfälle verknüpft, und erhöhte das Schlaganfallrisiko um mehr als das Zweieinhalbfache im Vergleich zu jenen Personen ohne Vorgeschichte eines Bluthochdrucks. Raucher zeigten gegenüber Nichtrauchern das doppelte Schlaganfallrisiko, außerdem war das Rauchen mit einem Fünftel der Schlaganfälle verknüpft.

Die Autoren stellen fest: "Die INTERSTROKE-Studie ist die erste große standardisierte Fall-Kontroll-Studie zu Risikofaktoren des Schlaganfalls, die auch Länder mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus erfasste, und in welcher von allen Fälle eine Computertomografie des Gehirns erstellt wurde. Unsere Ergebnisse zeigen, dass fünf Risikofaktoren zu mehr als 80 Prozent zum weltweiten Risiko für alle Schlaganfälle (ischämisch und Gehirnblutungen) beitragen: Hochdruck, Gegenwärtiges Rauchen, abdominale Adipositas, Ernährung und körperliche Aktivität. Werden weitere fünf Riskofaktoren hinzugezählt, darunter Apolipoproteine, dann steigt der PAR für alle Schlaganfälle auf 90 Prozent."

Die Forscher betonen, dass neun von zehn Riskofaktoren (keine herzbezogenen Störungen) in der INTERSTROKE-Studie jenen der INTERHEART (ebenfalls von Dr. Yusuf geleitet) entsprechen, die Risikofaktoren der Herzattacken untersuchte. Die relative Wichtigkeit vieler dieser Risikofaktoren ist jedoch bezüglich des Schlaganfalls oder des Herzinfarkts unterschiedlich. Beispielsweise ist der Blutdruck der wichtigste Faktor für den Schlaganfall, wohingegen Blutfette als wichtigster Faktor für den Herzinfarkt gelten. Allerdings trugen die neun Risikofaktoren der INTERHEART zu 90 Prozent zum PAR für Herzinfarkte bei.

Nach Ansicht der Autoren belegt diese Arbeit, dass eine große internationale epidemiologische Studie zu Schlaganfällen, die ein routinemäßiges Neuroimaging erfordert, in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus durchführbar ist. Sie folgern daher: "Gezielte bevölkerungsbasierte Maßnahmen, die Bluthochdruck und Rauchen verringern, sowie körperliche Aktivität und gesunde Ernährung fördern, könnten die weltweite Belastung durch Schlaganfälle wesentlich reduzieren helfen."

Die Forscher befinden sich gegenwärtig in der Phase-2 der INTERSTROKE-Studie, die 20 000 Teilnehmer erfassen möchte. Diese zweite Phase wird die Wichtigkeit der Risikofaktoren innerhalb verschiedener Regionen, verschiedener ethnischer Gruppen und innerhalb der Subtypen des ischämischen Schlaganfalls festlegen. Zusätzlich wird die Verknüpfung zwischen Genetik und Schlaganfallrisiko untersucht. Dies wird einen großen Probenumfang erforderlich machen.

In einem Begleitkommentar bemerkt Dr. Jack V. Tu vom Institute for Clinical Evaluative Sciences am Sunnybrook Schulich Heart Centre der University of Toronto: "Während der Bluthochdruck als wichtigster Risikofaktor des Schlaganfalls in den Industrienationen wohlbekannt ist, bestätigt INTERSTROKE, dass dieser auch in den Entwicklungsländern der wichtigste Schlaganfallfaktor ist. Diese Ergebnis ist besonders wichtig, da es die Notwendigkeit von Gesundheitsbehörden in diesen Regionen betont, die Strategien entwickeln müssen, die allgemeine Bevölkerung auf Bluthochdruck hin zu screenen, und, wenn nötig, erschwingliche Behandlungen anbieten müssen, um die Belastungen durch Schlaganfälle zu verringern. Das Ergebnis liefert außerdem den Anstoß, bezüglich der Gesamtbevölkerung Strategien zu entwickeln, den Salzgehalt in der Ernährung der Individuen in diesen Ländern zu reduzieren."

Quelle: MJ O'Donnell and others. Risk factors for ischaemic and intracerebral haemorrhagic stroke in 22 countries (the INTERSTROKE study): a case-control study. Lancet 2010; 375: 10.1016/S0140-6736(10)60834-3

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