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Unterstützung bei ethischen Fragen in der Psychiatrie

Gerade in psychiatrischen Einrichtungen kommt es häufig zu Diskussionen und Unklarheiten, was ethische Fragestellungen im Klinikalltag angeht – Zwangsmaßnahmen, assistierter Suizid oder die Unfähigkeit zur Kooperation sind nur einige Themen, die „Zündstoff“ für eine ethische Grundlagendiskussion bieten. Prof. Stella Reiter-Theil und Jan M. Schürmann aus dem Universitätsspital Basel stellen die „Klinische Ethikberatung“ vor – ein neuer Weg zu einer ethischen Orientierung innerhalb des Psychiatriealltags (veröffentlicht im Sammelband „Ethik in der psychiatrischen Praxis“, hrsg. von Ch. Prüter-Schwarte und E. Gouzoulis-Mayfrank).

Die „Klinische Ethikberatung“ ist ein recht neues Arbeitsfeld im Bereich der Psychiatrie. Sie umfasst sowohl die ethische Reflexion der Praxis als auch eine ethische Unterstützung. Dabei ist es die Hauptaufgabe der Ethikberater, sowohl medizinischem Fachpersonal als auch Patienten und ihren Angehörigen bei ethischen Fragestellungen zur Seite zu stehen. Ratsuchende sollen die erforderliche ethische Orientierung auf konstruktivem Weg finden.

Um Einblicke in die Ethikkonsultation zu geben sowie diese transparenter zu machen, führten Reiter-Theil und Schürmann eine Evaluationsstudie an zwei Universitätskliniken durch. Bei den unter die Lupe genommenen ethischen Themen dieser Beratungssituationen waren die häufigsten: Zwangsmaßnahmen, Behandlung am Lebensende (z.B. lebenserhaltende Maßnahmen), Versorgungsmanagement (z.B. Pflege von Patienten, die nicht gepflegt werden möchten), Evaluation des Behandlungsplans (z.B. Behandlungsoptionen hinsichtlich Lebensqualität des Patienten) sowie Fortpflanzungs- und Schwangerschaftskonflikte (z.B. später Schwangerschaftsabbruch auf Patientenwunsch).

Die Ergebnisse sind überzeugend: In allen Ethikkonsultationen konnte ein Ergebnis erarbeitet werden, in 96 Prozent der Fälle wurde ein Konsens aller Beteiligten darüber erzielt. Alle Ergebnisse wurden anschließend auch in die Praxis umgesetzt. Von den befragten Teilnehmenden wurde die Ethikberatung ausnahmslos als „hilfreich“ oder zumindest „teilweise hilfreich“ bewertet.

Die AutorInnen schließen aus den Ergebnissen ihrer Studie, dass sowohl in der somatischen als auch in der psychiatrischen Medizin ein deutlicher Bedarf an Ethikberatung besteht – unterschiedliche Formen der Ethikkonsultation haben sich bereits bewährt. Sie betonen, dass die Beratung nicht rein fremdbestimmt sein sollte, sondern im besten Fall die eigene ethische Orientierung der Ratsuchenden – seien es Behandler oder Patienten – unterstützt.  

Literatur:

Reiter-Theil, S., Schürmann, J.M.: Zur ethischen Orientierung in der Psychiatrie. Einblicke aus der Ethikberatung. In: Ch. Prüter-Schwarte, E. Gouzoulis-Mayfrank (Hrsg.), Ethik in der psychiatrischen Praxis. Pabst 2018, ISBN 978-3-95853-453-7.

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