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Grundsatzfragen, Science Slam und große Politik: Symposium Intensivmedizin + Intensivpflege steht vor der 29. Auflage

„Alles, nur nicht anfassen“ – was mag sich hinter diesem Vortragstitel verbergen, der für das 29. Symposium Intensivmedizin + Intensivpflege in der Messe Bremen und dem Congress Centrum Bremen angekündigt ist? Das Referat ist Teil des ersten „Science Slams“ auf dem Kongress von Mittwoch bis Freitag, 20. bis 22. Februar 2019. Den Vortragsinhalt verrät der Initiator der Sitzung nicht, Professor Dr. Heinrich Groesdonk vom Universitätsklinikum des Saarlandes versichert aber: „Es geht um Detailwissen zu relevanten Themen, das nicht Allgemeingut ist und besonders verständlich vermittelt werden soll.“ Wer der vier Referenten sein Thema in zehn bis 15 Minuten besonders griffig vorträgt, wird anhand der Applaus-Lautstärke ermittelt.

Fotos: MESSE BREMEN & ÖVB-Arena/Jan Rathke

Der Science Slam gehört zu den besonders unterhaltsamen Fortbildungsangeboten. Dazu zählen auch die TED-Sitzungen, bei denen die Zuhörer über Lösungen eines Problems abstimmen. Ein „anästhesiologisch-literarisches Quartett“ beschäftigt sich mit Büchern aus dem Grenzbereich von Belletristik und Medizin. Mehrere Disziplinen tauschen sich zudem über ihre Sicht auf den 200 Jahre alten Roman „Frankenstein“ aus. Die aus dem Münster-„Tatort“ als Staatsanwältin bekannte Schauspielerin Mechthild Großmann liest live aus dem Roman.

Grundsätzlich beschäftigen sich alle Vorträge und Workshops mit Themen aus Intensivmedizin und Intensivpflege, Notfallmedizin und Anästhesie, Management und Berufspolitik. Dabei sind manche Sitzungen gute Tradition. So stellen Referenten die wichtigsten neuen Studien in den Fachgebieten vor und beschäftigen sich mit kniffligen Fällen, auch gibt es erneut eine International Medical Class Paediatric Critical Care.

Die meisten Angebote beschäftigen sich mit aktuellen Entwicklungen bei Kernthemen. Neue Erkenntnisse zur Vorbeugung, Entstehung und Therapie der Sepsis stehen ebenso auf dem Programm wie Schmerztherapie, Kreislauf- und Atemwegsmanagement, moderne Pflegekonzepte oder juristische Probleme.

Zu den Standardthemen gehören auch ethische und medizinische Fragen rund um das Sterben. Professor Dr. Berthold Bein von der Hamburger Asklepios Klinik St. Georg etwa geht auf die Frage ein, wie viel Morphin erlaubt ist, um einem Menschen in den absehbar letzten Lebensstunden Schmerzen zu nehmen. „Es gibt kein Zuviel, die Symptomkontrolle bei den Patienten steht im Vordergrund und in der Endphase des Lebens ist der Übergang zwischen palliativer Sedierung und natürlichem Tod fließend“, sagt der Mediziner. Das gelte insbesondere, wenn Patienten keine Rückmeldung mehr geben könnten. Je aktiver sie noch an ihrer Therapie teilnähmen, umso vorsichtiger müsse man mit der Dosierung sein.

Manche Vorträge reagieren auch auf aktuelle Politik. Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerates, fragt, wo die professionelle Pflege nach einem Jahr großer Koalition steht. Und wie sinnvoll sind etwa Untergrenzen für das Pflegepersonal auf Intensivstationen? Darauf geht etwa Privat-Dozent Dr. Thomas Iber vom Klinikum Mittelbaden ein. Sein Klinikum kann die ab Januar 2019 geltenden Vorgaben mit zwei Patienten pro Pflegekraft in der Tagschicht einhalten, berichtet er. Auch hält Iber die neue Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für einen ersten, ernsthaften Versuch, die Situation für Patienten und Pflegende zu verbessern, und beurteilt ihn deshalb „grundsätzlich sehr positiv“. Allerdings greife die „isolierte Definition von Personaluntergrenzen aufgrund sehr unterschiedlicher regionaler Rahmenbedingungen zu kurz und kann nur eine erste flankierende Maßnahme für weitergehende Initiativen sein“, so Iber.

Drei Institutionen veranstalten das Symposium gemeinsam: der Wissenschaftliche Verein zur Förderung der klinisch angewendeten Forschung in der Intensivmedizin e.V. (WIVIM), die Bremer HCCM Consulting GmbH sowie die Messe Bremen. Bei dem Kongress sind Fortbildungspunkte zu erwerben. In Rahmen des Symposiums werden mehrere wissenschaftliche Preise vergeben.

Mehr Informationen: www.intensivmed.de

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