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KIDS SAVE LIVES – schon Kindern Reanimation beibringen?

Wie lange liegt Ihr letzter Erste-Hilfe-Kurs zurück? Könnten Sie „aus dem Stand“ eine vorschriftsmäßige Reanimation durchführen? Viele von uns müssen diese Frage wohl oder übel verneinen. Leider werden Erste-Hilfe-Kenntnisse viel zu selten aufgefrischt, weswegen die Laienreanimationsqoute relativ niedrig liegt – im europäischen Vergleich nur im unteren Drittel. Seit kurzer Zeit zeichnet sich aber eine positive Trendwende ab: Dr. Hannes Ecker (Uniklinikum Köln) und Kollegen sehen einen Grund dafür darin, dass seit einiger Zeit auch Schulkinder regelmäßig in „Wiederbelebung“ unterrichtet werden – allerdings noch nicht flächendeckend. Ihre Ausführungen wurden veröffentlicht im „Jahrbuch Intensivmedizin 2019“ (hrsg. von B.W. Böttiger und W. Kuckelt).

Wenn ein plötzlicher Herz-Kreislauf-Stillstand eintritt, muss es schnell gehen. Die besten Chancen haben Betroffene, wenn schnellstmöglich reanimiert, also eine Beatmung und Herzmassage durchgeführt werden – notfalls auch von anwesenden Laien. Wenn auch Kinder ab zwölf bzw. teilweise sogar jünger die notwendigen Kenntnisse in Wiederbelebung besitzen, erhöht das natürlich die Chance auf erfolgreiche „lebensrettende Sofortmaßnahmen“.

KIDS SAVE LIVES ist ein Statement, das auch von der WHO unterstützt wird. Es empfiehlt ein jährlich zu wiederholendes Wiederbelebungstraining für SchülerInnen ab zwölf Jahren, teilweise auch jünger. Ziel dieses Unterrichts ist es, den Kindern neben den grundlegenden Techniken auch Selbstvertrauen in die eigenen Reanimationsfähigkeiten zu geben. Dabei sind digitale Lerninstrumente hilfreich, praktische Lerneinheiten den theoretischen deutlich überlegen. Insbesondere kleine Gruppengrößen, umfangreiches Praxistraining sowie regelmäßige Wiederholungen führen zu einer hohen Sicherheit im Umgang mit Reanimationsmaßnahmen. Als Instruktoren kommen Ärzte, Rettungskräfte, Medizin-Studenten, aber vor allem geschulte Lehrer in Frage.

2014 sprach die deutsche Kultusministerkonferenz eine klare Empfehlung aus, Schüler ab der siebten Klasse in Wiederbelebung zu unterrichten. Die Umsetzung schwankt allerdings in den verschiedenen Bundesländern stark – kein Bundesland hat bisher ein verbindliches Programm in den Unterricht der Schulen integriert. Dr. Ecker und Kollegen halten es daher weiterhin für geboten, sich gesellschaftlich und politisch für dieses wichtige Thema zu engagieren: „Jeder kann mitmachen und sich z.B. an der jährlich im September bundesweit stattfindenden ‚Woche der Wiederbelebung‘ oder beim weltweiten Tag der Wiederbelebung ‚World Restart a Heart Day‘ […] mit seinen Aktionen beteiligen“.

Hannes Ecker, Daniel C. Schröder, Sabine Wingen, Bernd W. Böttiger: KIDS SAVE LIVES – Training von Schulkindern als Lebensretter zur nachhaltigen Steigerung der Laienreanimationsquote. In: Bernd W. Böttiger & Werner Kuckelt (Hrsg.), Jahrbuch Intensivmedizin 2018 (S. 87–96). Pabst 2018, Hardcover ISBN 978-3-95853-469-8, eBook ISBN 978-3-95853-470-4

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