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Harm Reduction – die Erfolge niedrigschwelliger Drogenarbeit

Lange Zeit bestand die Drogenhilfe bzw. -behandlung ausschließlich aus abstinenzorientierten Konzepten. Heute sind Strategien der sogenannten „Schadensminderung“ sogar zentrale Elemente übergeordneter Public-Health-Vorgehensweisen. Unter anderen empfehlen die WHO sowie United Nations Office on Drug and Crimes (UNODC) Interventionen aus dem Bereich „Harm Reduction“. Welche Ergebnisse diese Vorgehensweise ertragen, berichtet Dr. Heino Stöver (Frankfurt University of Applied Sciences) in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift rausch (4/18_1/19).

Unter Schadensminderung bzw. Harm Reduction versteht man „Methoden, Programme und Praktiken, die darauf abzielen, die individuellen und gesellschaftlichen Schäden des Gebrauchs von psychoaktiven Substanzen der Menschen zu reduzieren, die nicht in der Lage oder nicht willens sind, den Gebrauch einzustellen“. Im Suchtbereich lässt sich diese Definition sowohl auf illegale als auch legale Substanzen übertragen – so könnte man auch den Konsum von E-Zigaretten als Harm-Reduction-Strategie auffassen.

Im Bereich des illegalen Drogenkonsums gibt es verschiedene Angebote der „Schadensminderung“. Hier kommen z.B. eine Regulierung des Drogenmarktes mit klarem Ausweis des Güte- und Reinheitsgesetzes psychotroper Substanzen, der Ausbau des Angebots von Drogenkonsumräumen oder die individuell angepasste Substitutionsbehandlung von Patienten zum Einsatz.

Diverse Studien belegen die Wirksamkeit der „Schadensminderung“: So haben die Strategien einen positiven Einfluss auf die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten sowie bei der Reduktion von drogenbedingten Todesfällen. Nachdem die Zahl der Drogentoten in Deutschland jahrelang angestiegen war, ist sie 2017 wieder gesunken.

Heino Stöver sieht noch mehr Möglichkeiten dieses Vorgehens und plädiert u.a. dafür, mehr auf Selbsthilfe und Selbstorganisation der Betroffenen zu setzen. Eine stärkere Einbindung fördere die Mobilisierung aller Betroffenen bei der Planung, Durchführung und Auswertung der Angebote. Auch spricht er sich für mehr Vernetzungen mit drogenunspezifischen Einrichtungen wie Schulen oder Jobcenter aus, um insgesamt die Risiken einer Suchtentwicklung zu vermeiden.

Heino Stöver: Harm Reduction – Ergebnisse akzeptanzorientierter und niedrigschwelliger Drogenarbeit. Rausch – Wiener Zeitschrift für Suchttherapie, Ausgabe 4-2018/1-2019, S. 303–312. Pabst 2018.

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