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    Maschine statt Mensch – ist das die Zukunft?

    Doppelkongress informiert über die Digitalisierung der Gesundheitsbranche

    29 Kilogramm, große Augen und eine piepsige Stimme: Das ist Pepper, ein menschenähnlicher Roboter, der im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2018 vom Universitätsklinikum Halle vorgestellt wurde. Pepper soll nach Angaben seiner Erfinder das Pflegepersonal zukünftig entlasten – ersetzen kann und soll er es nicht. Der Einsatz des Roboters ist nur einer von vielen Versuchen, neue Technologien in die Gesundheitsbranche zu integrieren. Beim „DEWU Deutschen Wundkongress & Bremer Pflegekongress“ stehen nun neueste Entwicklungen im Fokus. Der Doppelkongress findet von Mittwoch bis Freitag, 8. bis 10. Mai 2019, in der Messe Bremen und dem Congress Centrum Bremen statt.

    In der Wundforschung ist der Dekubitus ein fortwährend wichtiges Thema und auch vermehrt Gegenstand medizintechnischer Forschung. Damit es gar nicht erst zu solchen Druckgeschwüren kommt, lagern Pflegende bettlägerige Patienten bislang meist in regelmäßigen Abständen um. „Laut einer Studie sind 70 Prozent aller Lagerungen aber nicht notwendig. Sensoren können feststellen, ob sich der Patient in der Abwesenheit des Personals von allein bewegt hat oder mobilisiert werden muss“, sagt PD Dr. Nils Lahmann von der Charité in Berlin. „Die Pflegekräfte unterstützen den Patienten dabei wieder auf die Beine zu kommen, sie nehmen ihm die Arbeit nicht ab“, fügt der Wissenschaftler hinzu. In seinem Vortrag „Der Roboter als Wundmanager: Was auf uns zukommt“ stellt er am Donnerstag einen Lösungsansatz vor, der nicht nur den Dekubitus reduzieren kann, sondern auch das Personal entlastet.

    Auch andere Referenten setzen sich in ihren Vorträgen mit den technischen Möglichkeiten in der Wundversorgung auseinander. So können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Eröffnungstag zum Beispiel die Sitzung „Digitales Wundmanagement via Smartphone – Innovationen und Trends“ besuchen. Neben der „Digitalen Medizin“ behandelt der 13. DEWU unter anderem Themen wie „Therapieziele“, „Prophylaxe“, „Gesundheitspolitik“ und „Schmerz“.

    Roboter Pepper verdeutlicht, dass sich in Bezug auf die Technisierung auch in der Pflege etwas tut. „Das Thema Robotik ist mit ganz unterschiedlichen Gefühlen belegt. Andere Technologien dagegen sind schon lange in der Praxis angekommen – ohne dabei große Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen“, so Professorin Dr. Anne Meißner, Leiterin des Studiengangs „Pflege“ an der Diakonie in Bielefeld. In ihrem Vortrag „Neue Pflegetechnologien: Chancen und Grenzen“, beschreibt sie anhand von drei Beispielen, dass der Einsatz von Technik die pflegerische Versorgung verändert und in einigen Bereichen auch nicht mehr wegzudenken ist. So gibt es zum Beispiel online-basierte Plattformen, die Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen den Austausch untereinander ermöglichen.  

    Beim 14. Bremer Pflegekongress geht es aber auch um politische Themen wie die „Zukunft der Pflege“. „Bessere Aussichten für den Beruf können nur durch neue Ideen, berufspolitisches Engagement und vor allem durch politische Reformen realisiert werden“, sagt Kordula Grimm von der Messe Bremen. In anderen Ländern gibt es laut Fachmedien bereits erste erfolgreiche Ansätze dafür: allen voran durch mehr Anerkennung des Berufs. „Mit unserem Schwerpunktthema möchten wir ein Zeichen setzen und auf den Pflegenotstand aufmerksam machen“, sagt Grimm weiter.

    Der dreitägige Doppelkongress zählt zu den teilnehmerstärksten Branchentreffen der Messe Bremen. 2018 nahmen 4.277 Pflegende und Mediziner daran teil. Die Veranstaltung wird von einer begleitenden Fachausstellung mit über 100 Ausstellern abgerundet, die ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren.