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Verführerische Leichen – verbotener Verfall. "Körperwelten" als gesellschaftliches Schlüsselereignis

Hermes da Fonseca, L.; Kliche, T. (Hrsg.)
2006, 448 Seiten
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978-3-89967-169-8
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Durchsichtige Leichenscheiben als Wohnungsschmuck. - "Schön wie bunte Kirschenfenster", so Gunther von Hagens. Seit 1997 sind die durch das Verfahren der Plastination konservierten Leichen einem Millionenpublikum in der Ausstellung "Körperwelten" gezeigt worden. Hieß es 1997 noch, die durch die neue Technologie der Plastination hergestellten "individuellen" Körperpräparate würden nur an seriöse wissenschaftliche Institute verkauft, sollen sie heute in "Fließbandproduktion" hergestellt werden und für jede Privatperson "günstig" zu kaufen sein. Vom "wissenschaftlichen, echten, unterhaltsamen Bildungsobjekt" der "Körperwelten" und ihrem offiziellen Ziel einer "Demokratisierung des Wissens" haben sich die sogenannten "Plastinate" aus toten Körpern zum Konsumangebot eines globalen Privatkonzerns gewandelt.
Trotz anfänglich heftiger Diskussionen und unzähliger Medienberichte gibt es bislang kaum grundlegende Analysen dieser Entwicklung und der mit ihr verbundenen Verschiebungen gesellschaftlicher Werte und Normen. Die neue Technologie der Plastination, die auf den menschlichen Körper zugreift und offen beansprucht, unser Menschenbild wissenschaftlich, kulturell, politisch und religiös umzuprägen, scheint vielmehr zur akzeptierten Normalität geworden zu sein.
Die Beiträge des vorliegenden Bandes gehen den wissenschaftlichen und epistemologischen Zielen und Strukturen der Plastinationstechnologie nach und zeigen ihre tiefgreifenden gesellschaftlichen Einflüsse. Sie verdeutlichen die mit der Bewirtschaftung der Leichen verbundenen Definitionsverschiebungen von Leben, Tod, Körper, Seele, Person, Individualität und Würde und zeichnen nach, wie die Inszenierungen der "Körperwelten" auf existentielle Gefühle, Erfahrungen und Hoffnungen zugreifen und neue Deutungen dafür suggerieren. Dabei wird deutlich, dass die von der Ausstellung gebündelten und verstärkten Prozesse keineswegs abgeschlossen sind, sondern uns vor wesentliche Entscheidungen über unsere Ethik, unser Verständnis unserer Körper und Seelen und unser Zusammenleben stellen.

 

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