Heimdialyse: flexibel, alltagsnah, medizinisch sinnvoll
Bei der Heimdialyse wird die Behandlung von Patientinnen und Patienten eigenständig durchgeführt, entweder über das Bauchfell (Peritonealdialyse) oder als klassische Hämodialyse. Die daraus resultierenden Vorteile umfassen eine flexible, selbstbestimmte Zeitgestaltung, den Wegfall langer Anfahrten sowie einen gesundheitlichen Nutzen. „Je häufiger und kontinuierlicher dialysiert wird, desto besser wird die natürliche Nierenfunktion ersetzt“, sagt Kuhlmann, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Nephrologie am Vivantes Klinikum im Friedrichshain in Berlin. „Für berufstätige, aber auch für alle selbstständigen oder von der Familie unterstützten Betroffenen kann die Heimdialyse eine attraktive Option sein, die gleichzeitig auch eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität darstellt.“
Die Voraussetzungen für die Anwendung der Heimdialyse umfassen eine sorgfältige Schulung der Patientinnen und Patienten sowie der behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Zudem ist die Bereitschaft und Eignung zur selbstständigen Durchführung der Heimdialyse erforderlich. Ambulante und stationäre Dialyseeinrichtungen stellen an dieser Stelle ein verlässliches Backup für medizinische Rückfragen dar.
Gesundheitspolitisches Momentum nutzen - Heimdialyse strukturell verankern
Die DGfN begrüßt, dass der Bewertungsausschuss aus Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) zum 1. Januar 2025 neue finanzielle Anreize für die Heimdialyse geschaffen hat. Für die ersten 52 Behandlungswochen erhalten Leistungserbringer nun wöchentliche Zuschläge in Höhe von 96,50 Euro (GOP 40845–40847). Für diese Zwecke werden zusätzliche finanzielle Mittel in Höhe von circa 15 Millionen Euro bereitgestellt.
„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um die Heimdialyse strukturell zu verankern“, sagt Prof. Dr. Martin Kuhlmann. „Wenn Deutschland seine Transplantationspolitik neu denkt, sollten auch nephrologische Versorgungswege neu gedacht werden – und zwar vom Zeitpunkt der Diagnose an." Der Nephrologe betont, dass Menschen mit chronischer Nierenkrankheit (CKD) Wahlmöglichkeiten benötigen, die zu ihrem Leben passen. Die Stärkung der Heimdialyse wurde seitens der DGfN daher bereits 2021 in deren 10-Punkte-Plan beschlossen (1, 2).
Internationale Kooperation und Bedeutung der fachübergreifenden Prävention
Auch international engagiert sich die DGfN für die Heimdialyse – etwa im Rahmen des International Home Dialysis Consortium (IHDC), das Fachgesellschaften, medizinisches Personal, Patientenorganisationen und politische Entscheidungstragende zusammenbringt (3).
Gleichzeitig betont die DGfN die Bedeutung der Früherkennung. „Wir müssen gemeinsam mit Hausärztinnen, Kardiologen und Diabetologinnen die Früherkennung von CKD stärken“, so Kuhlmann. „Nur so lässt sich langfristig der Bedarf an Dialyse – und damit an Fachpersonal – reduzieren.“
Quellen:
https://www.dgfn.eu/pressemeldung/staerkung-der-heimdialyse-dgfn-legt-10-punkte-plan-vor.html
https://www.medical-tribune.de/medizin-und-forschung/artikel/10-punkte-plan-der-dgfn-zur-heimdialyse-eine-zwischenbilanz
International Home Dialysis Consortium: https://www.theisn.org/initiatives/ihdc/#manifesto und https://www.theisn.org/initiatives/ihdc/#signatories
Weiterführende Literatur
Praxis der Peritonealdialyse
Pommer, Wolfgang; Vychytil, Andreas (Hrsg.)
Pabst, 462 Seiten