Der Alkoholkonsum kann einerseits der Akkulturation an die Aufnahmegesellschaft oder andererseits der Linderung von Erinnerungen an Traumata dienen. Viele MigrantInnen leiden unter traumatischen Belastungsstörungen. Daher stellt sich in der Behandlung immer zunächst die Frage nach einer Trauma-Diagnostik bzw. Traumatherapie.
Im therapeutischen Prozesss kann die positive Wirkung der Religiosität, insbesondere des islamischen Glaubens, genutzt werden. Muslimische Menschen können damit ihre Veränderungsmotivation aus dem Glauben ziehen und begründen. Der Einsatz der Millati Mislami, ein 12 Punkte Programm für muslimische Menschen - komplementär zu den zwölf Schritten der Anonymen Alkoholiker - bietet einen wertvollen kulturspezifischen Ansatz; traditionelle Heilmethoden und Krankeitsverständnisse aus dem Islam lassen sich in der Suchthilfe wirksam nutzen. Damit lassen sich auch familiäre oder religiöse Autoritäten im kollektivistischen Migranten-Milieu für eine konstruktive Zusammenarbeit gewinnen.
Kizilhan und Wenzler bieten eine praxissorientierte Orientierung für das Arbeitsfeld "Suchthilfe für MigrantInnen". Professor Dr. Jan Ilhan Kizilhan, selbst Jeside, hat die relevanten Fachbücher zur Traumatherapie mit Migranten vorgelegt.
Pia Wenzler, Jan Ilhan Kizilhan: Alkoholabhängigkeit und Migration.
Transkulturelle Konzepte und Ansätze.
Pabst, 124 S., Paperback ISBN 978-3-95853-646-3, eBook ISBN 978-3-95853-647-0
Jan Ilhan Kizilhan: Psychoedukation bei Traumastörungen.
Manual für die Gruppenarbeit mit Migrantinnen und Geflüchteten.
Pabst, 178 S., Paperback ISBN 978-3-95853-407-0, eBook ISBN 978-3-95853-408-7
Jan Ilhan Kizilhan et al.: Trauma Workbook for Psychotherapy. Text in Farsi.'
Pabst, 212 pages. Paperback ISBN 978-3-95853-644-9, eBook ISBN 978-3-95853-645-6