Unbewußte Informationsverarbeitung bei der Panikstörung
Windmann, S.
1997, 248 Seiten
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Die Panikstörung ist durch das wiederholte Auftreten von unvorhersehbaren, spontanen Angstattacken gekennzeichnet, für die die Patienten meist keinen Auslöser angeben können. Daher liegt die Vermutung nahe, daß die Anfälle auf unbewußte, automatische Informationsverarbeitung zurückgehen. In der Literatur existiert eine Kluft zwischen biologischen und psychologischen Theorien der Panikstörung. Biologische Modelle versuchen die Störung oft auf einen umschriebenen Defekt in Neurotransmittersystemen zu reduzieren, ohne logisch abzuleiten, warum aus den postulierten Dysfunktionen irrationale Angstanfälle resultieren müssen. Psychologische Modelle betrachten nur die kognitiven Aspekte der Störung, ohne auf deren neuronale Grundlage zu rekurrieren. Implizit wird dabei davon ausgegangen, daß man die "Software" eines Systems unabhängig von seiner "Hardware" untersuchen kann. In dieser Dissertationsarbeit wird davon ausgegangen, daß jede kognitive Funktion auf einem spezifischen neuronalen Substrat implementiert ist. Argumentiert wird, daß psychologische Theorien spezifischer und falsifizierbarer sind, wenn sie sich neurobiologischen Restriktionen unterwerfen. Daher wird eine neurobiologisch plausible Sicht der Panikstörung entworfen, die die kognitiven und die physiologischen Symptome der Patienten erklären kann. In bezug auf kognitive Aspekte kommt dieser Ansatz zu anderen empirischen Vorhersagen als "rein" psychologische Modelle. Während psychologische Theorien postulieren, daß die Patienten für körperliche und bedrohliche Reize besonders sensibel sind, sagt der hier vertretene Ansatz voraus, daß es sich dabei um eine erhöhte Reaktionstendenz der Patienten handelt, die auf ungenaue, automatische (unbewußte) Verarbeitungsprozesse zurückgeht und je nach verwendeter Methodik wie eine erhöhte Sensibilität erscheint.
Diese unterschiedlichen Vorhersagen wurden in zwei Experimenten geprüft. Im ersten Experiment wurde die Verarbeitung kardialer Reize mit verschiedenen Methoden untersucht, im zweiten Experiment die Verarbeitung bedrohlicher Reize (Wörter). Insgesamt stützen die Ergebnisse die Annahme, daß Patienten mit Panikstörung eine veränderte Reaktionstendenz aufweisen. Es fanden sich jedoch keine Hinweise auf eine erhöhte Sensibilität der Patienten für körperliche oder bedrohliche Reize. Die praktischen und theoretischen Implikationen dieser Ergebnisse werden diskutiert.
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