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European Journal of Management, Leadership and Health Care (24-2) 29-129
Ethisch geführte Unternehmen in Europa sind finanziell erfolgreicher – Eine Studie über den Einfluss ethischen Geschäftsverhaltens auf die finanzielle Leistungsfähigkeit von Unternehmen
Zusammenfassung:
Zweck dieser Studie ist es, die Beziehung zwischen alterozentrischer Unternehmensethik und der finanziellen Performance europäischer Unternehmen zu untersuchen. Dabei werden bestehende Forschungslücken in der Literatur zur Unternehmensethik adressiert, indem sowohl quantitative als auch qualitative Belege für die Verknüpfungen zwischen sozialen, ethischen und ökonomischen Dimensionen unternehmerischen Handelns bereitgestellt werden. Angesichts der jüngsten wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Aufmerksamkeit für Unternehmensethik und des begrenzten Verständnisses der finanziellen Vorteile von Investitionen in ethische Praktiken wählt diese Studie ein sequentielles, explanatorisches Mixed-Methods-Design. Der theoretische Bezugsrahmen basiert auf der Stakeholder-Theorie. Die übergeordnete Forschungsfrage lautet: Welchen Einfluss hat alterozentrische Unternehmensethik auf die finanzielle Performance europäischer Unternehmen? Diese Studie trägt zur Schließung bedeutender Forschungslücken bei, nämlich: (i) dem Fehlen standardisierter Instrumente zur Messung ethischen Handelns; (ii) dem Mangel an empirischen Belegen, die zeigen, dass ethische Praktiken messbare Geschäftsergebnisse beeinflussen; sowie (iii) der unzureichenden Kenntnis darüber, wie alterozentrische Unternehmensethik – eine Philosophie, die „dem Anderen“ Vorrang in unternehmerischen Überlegungen einräumt – zu messbaren Ergebnissen führt. In einem phasenweisen und sequentiellen Vorgehen wurden (i) qualitative Interviews mit 18 Führungskräften aus dem C-Level sowie weiteren Stakeholdern aus unterschiedlichen Branchen durchgeführt, um Daten zu Implementierungsherausforderungen und Stakeholder-Erwartungen zu erheben. Grundlage dieser Forschung war ein umfassendes, 120-Items umfassendes Erhebungsinstrument, das alterozentrische Unternehmensethik entlang von sechs Kernprinzipien erfasst; die Interviews dienten zur Validierung dieses Instruments. (ii) Anschließend wurde dieser Ansatz quantitativ mit Daten von 309 europäischen Organisationen validiert, wobei 78,9 % der Antworten aus dem DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) stammten. Hierfür kam ein selbstentwickeltes und administriertes 24-Item-Instrument zum Einsatz, das auf den Erkenntnissen der ersten Phase aufbaute.
Ein Mixed-Methods-Design wurde insbesondere aufgrund der Komplexität organisationaler Phänomene gewählt, die sowohl detaillierte qualitative Einsichten als auch inferenzstatistische quantitative Analysen erfordern. Diese methodische Innovation ermöglicht eine umfassende Untersuchung von Stakeholder-Dynamiken sowie die statistische Validierung von Zusammenhängen in großen Stichproben und stellt damit einen innovativen Beitrag zur Forschung im Bereich Unternehmensethik dar. Die Ergebnisse dieser Studie deuten auf signifikante positive Korrelationen zwischen alterozentrischer Unternehmensethik und finanzieller Performance hin, mit p-Werten von < 0,0001 über alle gemessenen Dimensionen hinweg (r = 0,509 bis r = 0,915). Am stärksten korrelierte die Variable „positive zukünftige Finanzperspektive“ (r² = 0,838), die 83,8 % der erklärten Varianz ausmachte. Die Clusteranalyse zeigt, dass 90 % der Unternehmen wirtschaftliche Auswirkungen von alterozentrischen Geschäftsmodellen erwarten, was auf eine breite Akzeptanz ethischer Unternehmenswerte in europäischen Organisationen hinweist. Die qualitativen Ergebnisse identifizierten zudem Implementierungsmechanismen: positive Stakeholder-Beziehungen, eine verbesserte organisatorische und operationale Reputation, stärkere Mitarbeiterbindung sowie die Reduktion regulatorischer Risiken. Diese Forschung leistet mehrere wesentliche theoretische Beiträge, indem sie die Kernannahmen der Stakeholder-Theorie bestätigt: Die Internalisierung von Stakeholder-Interessen über die Investoren hinaus erzeugt nachhaltige Wettbewerbsvorteile und verbessert die finanzielle Performance. In diesem Zusammenhang trägt die Studie zur Stakeholder-Theorie bei, indem sie die Mechanismen aufzeigt, durch die stakeholderorientierte Methoden finanziellen Mehrwert generieren, und egozentrische Geschäftsmodelle durch eine Ethik des Anderen ersetzt. Zudem wurden langjährige Standardisierungsprobleme in der Unternehmensethik gelöst, die bislang eine kumulative Wissensentwicklung behinderten. Die Ergebnisse bieten Praktikern klare Informationen zu den ethischen Variablen, die die finanzielle Performance beeinflussen, sowie einen systematischen Ansatz, mit dem Unternehmen ethische Geschäftspraktiken implementieren und positive finanzielle Ergebnisse erzielen können. Die Resultate belegen, dass alterozentrische Unternehmensethik über mehrere Wertschöpfungskanäle sowohl kurzfristige als auch langfristige finanzielle Gewinne generiert und damit die verbreitete Annahme widerlegt, dass ethisches Handeln nur kurzfristige Kosten verursache. Empirische Evidenz stützt somit die Managementpraxis, indem sie nahelegt, dass die Übernahme alterozentrischer Ethik in Unternehmen einen erheblichen Wettbewerbsvorteil darstellt und dem Top-Management eine evidenzbasierte Begründung für Investitionen in ethisches Wirtschaften liefert.
Die methodische Innovation dieses Mixed-Methods-Designs ist, obwohl sehr zeit- und ressourcenintensiv, ein Beispiel für die systematische Integration qualitativer und quantitativer Forschungsansätze, wie sie zur Untersuchung komplexer organisationaler Phänomene erforderlich ist. Diese Methodik ermöglicht die Entwicklung von Messinstrumenten, die auf den Erfahrungen von Stakeholdern basieren und mit großen
Stichproben statistisch validiert werden. Damit wird ein Referenzmaßstab für zukünftige Forschung im Bereich Unternehmensethik etabliert.
Ethically operating Businesses in Europe are Financially more successful – A study on the impact of ethical business behavior on a Firm’s financial Performance
Abstract:
The purpose of this study is to examine the relationship between alterocentric business ethics and the financial performance of European companies, addressing apparent gaps in the business ethics literature by quantitatively and qualitatively providing evidence for the existence of links between social, ethical, and economic dimensions of business conduct. Given the recent attention to business ethics among scholars and in society, and the limited understanding of the financial benefits of company investments in ethics, this study employs a sequential explanatory mixed methods design. The theoretical framework is based on the stakeholder theory. The overarching research question is: What is the impact of alterocentric business ethics on the financial performance of European companies?
This study contributes to significant research gaps; these are: (i) The absence of standardized instruments to measure ethical conduct; (ii) Insufficient empirical evidence proving that ethical practices impact quantifiable business outcomes; and (iii) the limited knowledge of how alterocentric business ethics, a philosophy that gives "the other" primacy in business considerations, results in measurable outcomes.
In a phased and sequential manner, we have (i) conducted qualitative interviews with 18 C-suite executives and other stakeholders from diverse industries to gather data on implementation challenges and stakeholder expectations. This research was done based on a comprehensive 120-item survey instrument measuring alterocentric business ethics along six core principles, and we used the interviews to validate this instrument. (ii) Subsequently, we quantitatively validated this approach over 309 European organizations with 78,9% DACH (Germany, Austria, Switzerland) responses. This was done with a self-developed and administered 24-item instrument, which was built based on the learnings from phase 1.
Specifically, a mixed methods design was selected because of the complexity of organizational phenomena, which require detailed insights from qualitative research and inferential knowledge from quantitative research. This methodological innovation allows for a comprehensive investigation of stakeholder dynamics and statistical validation of relationships in large samples and represents an innovative contribution to business ethics research. The findings of this study suggest that there are statistically significant positive correlations between alterocentric business ethics and financial performance, with p-values of < 0.0001 across the measured dimensions, ranging from r = 0.509 to r = 0.915. The high positive future financial outlook was the variable most correlated (r² = 0,838) and explained 83,8% of the expected outcome variance. The study's cluster analysis shows that 90% of companies expect economic impacts from alterocentric business models, indicating a general acceptance of ethical business values among European organizations. Qualitative outcomes identified implementation mechanisms: positive stakeholder relationships, enhanced organizational/operational reputation, engagement of employees, and mitigation of regulatory exposure.
This research makes several significant theoretical contributions by confirming the core tenets of stakeholder theory: Internalizing stakeholder interests beyond investors produces sustainable competitive advantage and enhances financial performance. In this regard, the study contributes to stakeholder theory by revealing mechanisms by which stakeholder-focused methods generate financial value, and to replace egoistic
business through the ethics of the other. We have resolved long-standing standardization issues in business ethics that have impeded cumulative knowledge creation. Our results provide practitioners with clear information on the ethical variables affecting financial performance, along with a systematic approach for companies to implement ethical business practices and achieve positive financial outcomes. The results reveal that alterocentric business ethics deliver short- and long-term financial gains via several channels of value creation, challenging the common belief that ethical behaviors have short-term costs. The research provides empirical evidence in support of management practice, suggesting that adopting alterocentric ethics in firms entails a significant competitive advantage and offers top management evidence-based justification for engaging with ethical business investments. The methodological innovation of such a mixed-method design is, although very time and resource-intensive, illustrative of the systematic integration of qualitative and quantitative methodological approaches required to investigate complex organizational phenomena. This methodology allows for the development of measurement instruments based on stakeholders' experiences and statistically validated with large sample sizes, establishing a benchmark for future research on business ethics.
Keywords: