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Psychosoziale und Medizinische Rehabilitation, 2024.37:84-93
Was wissen wir über Long COVID? Qualitative Expert:inneninterviews zur Einschätzung des Kenntnisstands, wirksamer Behandlungsstrategien und der Versorgungslage in Deutschland
Zusammenfassung:
Fragestellung. Das Ziel war es, Expertenwissen über die Symptomatik, Diagnostik, Risikofaktoren, wirksame Therapieansätze und die Prognose von Long COVID zu aggregieren. Hierzu wurde die Wahrnehmung der aktuellen Versorgungssituation in Deutschland analysiert sowie ein Überblick über bestehendes Fachwissen, praktische Erfahrungen im Berufsalltag und die Einschätzung der Befragten von gegenwärtigen Problemen des Gesundheitssystems gebündelt.
Methode. 13 halbstrukturierte Expert:inneninterviews wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.
Ergebnisse. Expert:innen beschrieben eine Heterogenität im Störungsbild. Aufgrund schlechter Objektivierbarkeit der Symptome wurde die Diagnostik als Herausforderung wahrgenommen. Behandlungsstrategien sind vielfältig und interdisziplinär, die optimale Behandlung bestimmter Symptome sowie der Behandlungserfolg sind eingeschränkt und noch nicht ausreichend erforscht. Die Versorgungssituation wurde kritisiert.
Diskussion. Multimodale, interdisziplinäre Behandlungsstrategien sowie Psychotherapie sind indiziert. Für bekannte Symptome können bewährte Strategien je nach Symptomschwerpunkt eingesetzt werden. Zukünftig sollte der Risikofaktor mittleres Erwachsenenalter untersucht werden und in der Behandlungsleitlinie sollte stärker zwischen Patient:innen in Abhängigkeit von der Schwere der Akutinfektion unterschieden werden. Insgesamt nimmt die Belastung durch die Erkrankung und die Symptomschwere mit der Zeit ab. Expert:innen kritisierten eine gelegentliche Fehldeutung als psychosomatische Erkrankung. Sie betonten die Notwendigkeit nach angemessenem Strukturaufbau, Weiterbildung und Forschung.
Schlüsselwörter:
What Do We Know About Long COVID? Qualitative Expert Interviews to Assess the State of Knowledge, Effective Treatment Strategies and the Care Situation in Germany
Abstract:
Objectives. The aim was to aggregate expert knowledge about the symptomatology, diagnostics, risk factors, effective therapy approaches, and prognosis of Long COVID. Besides, the perception of the current care situation in Germany was surveyed and an overview of the expertise, practical experiences in everyday professional care, and the perception of current challenges of the respondents was compiled.
Methods. 13 semi-structured expert interviews were analyzed using qualitative content analysis.
Results. The heterogeneity of the disorder was confirmed. Diagnosis was perceived as a challenge due to poor objectifiability. Treatment strategies are diverse and interdisciplinary, the optimal treatment of specific symptoms is unclear. Treatment success is limited and not sufficiently researched. The care situation was criticized.
Conclusion. Multimodal, interdisciplinary treatment strategies, and psychotherapy are indicated. For familiar symptoms, proven strategies can be used. The risk factor of mid-adulthood should be investigated, and the guideline should differentiate between patients based on the severity of the acute infection. Overall, the burden of the disease and the symptom severity decrease over time. Experts criticized an occasional misinterpretation as psychosomatic. They demanded adequate structural development, training, and research.
Keywords: