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DHS Jahrbuch Sucht 2025, 273
ADHS und Abhängigkeit
Zusammenfassung:
Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivität-Störung (ADHS) führt zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von substanzbezogenen Störungen (SUD) und ist eine häufige Komorbidität bei Personen mit einer SUD (Luderer et al., 2021). Das ist relevant, da ADHS nicht nur den Behandlungserfolg der SUD negativ beeinflusst (Luderer et al., 2020a; Daigre et al., 2021) sondern auch zu einem erhöhten Mortalitätsrisiko führt. Je später die Diagnose gestellt wird, desto höher ist das Mortalitätsrisiko (Sun et al., 2019). Die Mortalität ist insbesondere in der Gruppe mit komorbider SUD erhöht. Eine frühe und konsequente medikamentöse Behandlung der ADHS reduziert das Risiko für späteren Konsum und SUD und das Risiko, vorzeitig zu versterben (Groenman et al., 2017; Li et al., 2024).
Der Großteil der Betroffenen hat nach wie vor Schwierigkeiten, eine Diagnose und anschließend Zugang zu einer leitliniengerechten Behandlung zu erhalten.
Aufgrund der hohen Prävalenz der ADHS sollte bei Patientinnen und Patienten mit SUD ein Screening auf ADHS erfolgen. Bei Fragebögen sind niedrigere Schwellenwerte empfehlenswert. Eine längere Abstinenzzeit ist für die Diagnose nicht erforderlich. Komorbide psychische Erkrankungen sind häufig, insbesondere Depression und Traumafolgestörungen. Die Behandlung der ADHS bei komorbider SUD beinhaltet eine Psychotherapie der SUD und eine Pharmakotherapie der ADHS. Dabei können langwirksame Stimulanzien oder Nicht-Stimulanzien eingesetzt werden. Die Effektivität der Stimulanzien ist höher, das Risiko für Missbrauch und Weitergabe ist zu beachten (DGPPN, DG-Sucht, 2021; Crunelle et al., 2018; Özgen et al., 2020).
Abstract:
Attention Deficit Hyperactivity Disorder (ADHD) leads to an increased risk of developing substance use disorders (SUD) and is a common comorbidity with SUD (Luderer et al., 2021). This is relevant as ADHD not only negatively impacts SUD treatment outcome (Luderer et al., 2020a; Daigre et al., 2021) but also leads to an increased mortality risk. The later the diagnosis is made, the higher the mortality risk (Sun et al., 2019). Mortality is particularly elevated in comorbid SUD. Early and consistent pharmacotherapy for ADHD reduces the risk of later substance use and SUD, as well as the risk of premature death (Groenman et al., 2017; Li et al., 2024).
The majority of patients still face difficulties in obtaining a diagnosis and subsequently accessing guideline-based treatment. Due to the high prevalence of ADHD, all patients with SUD should be screened for ADHD. Lower cut-offs for questionnaires are recommended. A longer period of abstinence is not necessary for the diagnosis. Comorbid mental illnesses are common, especially depression and trauma-related disorders. The treatment of ADHD with comorbid SUD involves psychotherapy for SUD and pharmacotherapy for ADHD. Long-acting stimulants or non-stimulants can be used. Stimulants are more effective, but the risk of misuse and diversion should be kept in mind (DGPPN, DG-Sucht, 2021; Crunelle et al., 2018; Özgen et al., 2020).