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DHS Jahrbuch Sucht 2026, 129-150

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Gerhard Meyer, Tobias Hayer
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DHS Jahrbuch Sucht
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03-04-2026
DOI:
10.2440/012-0038

Glücksspiel – Zahlen und Fakten

Zusammenfassung:

Die Umsätze (Spieleinsätze) auf dem legalen Glücksspiel-Markt sind in 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 8,9 % auf etwa 69,1 Mrd. Euro gestiegen. Das Marktvolumen liegt damit deutlich höher als etwa vor der Corona-Pandemie (42,6 Mrd. Euro in 2019). Der Anstieg ist im Wesentlichen auf die Legalisierung von Sportwetten im Oktober 2020 und virtuellem Automatenspiel/Online-Poker im Juli 2021 zurückzuführen. Größter Umsatzträger sind nach wie vor die in Spielhallen und gastronomischen Betrieben aufgestellten gewerblichen Geldspielautomaten mit rund 21,4 Mrd. Euro. Die Bruttospielerträge des regulierten Marktes erreichten ein Volumen von 14,4 Mrd. Euro (plus 5,0 %). Auf dem nicht-regulierten Markt wurde ein geschätzter Ertrag von 500 bis 600 Mio. Euro erzielt. Die glücksspielbezogenen Einnahmen des Staates stiegen in 2024 mit 7,0 Mrd. Euro auf Rekordhöhe.
Nach der aktuellen, in 2025 durchgeführten Erhebung zur 12-Monats-Prävalenz der Glücksspielteilnahme der Bevölkerung haben sich 36,4 % der 16- bis 70-Jährigen an irgendeinem Glücksspiel beteiligt, was einem nahezu unveränderten Wert im Vergleich zu 2023 (36,5 %) entspricht. Am häufigsten wurde mit 18,3 % Lotto 6 aus 49 gespielt (minus 1,5 %P), gefolgt von Soziallotterien mit 15,0 % (plus 0,5 %P) und Eurojackpot mit 13,8 % (plus 0,8 %P). Die Teilnahmeprävalenz an Glücksspielen mit hohem Suchtpotenzial ist deutlich geringer ausgeprägt: Auf Sportereignisse mit Festquoten wetteten 2,6 % der
Bevölkerung (plus 0,1 %P), 2,0 % spielten an Geldspielautomaten (plus 0,1 %P), 1,2 % wetteten live auf Sportereignisse (plus 0,1 %P), 0,7 % beteiligten sich am virtuellen Automatenspiel (plus 0,2 %P) und 1,2 % spielten Roulette/Black Jack/ Poker in Spielbanken (Großes Spiel: plus 0,2 %P).
Auf Grundlage eines Screenings glücksspielbezogener Probleme weisen 2,2 % der bundesdeutschen Bevölkerung nach den Kriterien des DSM-5 eine „Glücksspielstörung“ auf (2023: 2,4 %). Eine leichte Störung ist bei 0,9 %, eine mittlere Störung bei 0,6 % und eine schwere Störung bei 0,6 % feststellbar. Weitere 5,5 % zeigen ein riskantes Glücksspielverhalten. Bezogen auf einzelne Spielformen sind Spielerinnen und Spieler an virtuellen Automatenspielen mit 32,5 % am häufigsten von einer glücksspielbezogenen Störung betroffen,
gefolgt von Glücksspielautomaten mit 28,1 %, Live-Wetten auf Sportereignisse mit 27,0 %, Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten mit 23,4 % sowie Poker mit 22,6 %. Die Deutsche Suchthilfestatistik 2024 für ambulante Suchthilfeeinrichtungen beziffert die Anzahl der Betreuungszugänge (ohne Einmalkontakte) mit Einzeldiagnose „Pathologisches Spielen“ auf 5.492, diejenigen mit entsprechender Hauptdiagnose auf 4.844 (2023: 5.655 bzw. 4.850). Der Frauenanteil unter den Hauptdiagnosen liegt bei 10,6 %. Ferner betragen die Anteile bezogen auf die jeweilige Gesamtzahl der Fälle mit dokumentierter Einzel- bzw.
Hauptdiagnose 3,8 % bzw. 3,4 %. Unter Einbeziehung aller Betreuungen mit Einmalkontakten wurden 9.315 Einzel- und 7.933 Hauptdiagnosen registriert. Eine Hochrechnung auf die Gesamtzahl der betreuten Fälle mit Einmalkontakten in 1.182 ambulanten Suchthilfeeinrichtungen verweist auf rund 12.700 Fälle mit entsprechender Einzeldiagnose (Hauptdiagnose: 11.100). Für Fälle, bei denen die Spielform dokumentiert ist, sind „Geldspielautomaten in Spielhallen“ mit 33,8 % die häufigste Hauptspielform, gefolgt von den beiden Online-Formaten des „Automatenspielens“ und der „Sportwetten“ mit 22,6 % bzw. 12,0 %. Differenzierte Klienteldaten aus dem ambulanten Glücksspielsuchthilfesystem Niedersachsens verweisen zum einen darauf, dass irgendeine Form des Online-Glücksspiels inzwischen von jeder zweiten ratsuchenden
Person als problemverursachende Spielformen benannt wird. Zum anderen hatte Werbung für jede dritte Person aus dem Hilfesystem einen eher starken bis sehr starken Einfluss darauf, mit dem Glücksspiel zu beginnen bzw. weiter daran teilzunehmen. Schließlich umfasst die Deutsche Suchthilfestatistik 2024 für stationäre Einrichtungen 1.045 registrierte Einzel- und 490 Hauptdiagnosen „Pathologisches Spielen“. In der Datenbank des Spielersperrsystems OASIS, das mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (§ 8) zum 1. Juli 2021 als bundesweit zentrales, spielformübergreifendes Sperrsystem eingeführt wurde, waren Ende 2024 insgesamt 303.855 Sperreinträge gespeichert, davon beruhten 294.026 (96,8 %) auf einer Selbstsperre und 9.829 (3,2 %) auf einer Fremdsperre. Aus der Perspektive der Suchtprävention stellt die weiterhin zu beobachtende Expansion legaler Glücksspielangebote in Deutschland, in Kombination mit ihrer omnipräsenten Vermarktung, eine Fehlentwicklung dar. Um das Gemeinwohl zu stärken und den Gesundheitsschutz vor kommerziellen Einflüssen zu bewahren, bedarf es demzufolge einer Reduktion der Verfügbarkeit von Glücksspielen und eines Verbots bzw. einer deutlichen Einschränkung von Werbung und Sponsoring für legale Glücksspielprodukte. Unabhängig da von gilt es, verschiedenartige Instrumente zur Bekämpfung illegaler Glücksspielangebote on- wie offline umzusetzen.

Abstract:

The turnover (stakes) of the legal gambling market has increased in 2024 by 8.9 %  to about EUR 69.1 billion compared to the previous year. The market volume is thus significantly higher than before the corona pandemic (EUR 42.6 billion in 2019). This increase is mainly due to the legalization of sports betting in October 2020 and virtual slot machines/online poker in July 2021. Private amusement with prizes (AWP)
machines in arcades and pubs are still the largest source of turnover at around EUR 21.4 billion. The gross gambling revenue of the regulated market reached a volume of EUR 14.4 billion (plus 5.0 %). An estimated revenue of EUR 500 to 600 million was generated by the non-regulated market. The state gambling revenue rose to a record high of EUR 7.0 billion in 2024. According to a survey carried out in 2025 that measured the 12-month prevalence of gambling participation, 36.4 % of the population aged 16 to 70 participated in any form of gambling, which corresponds to an almost unchanged value compared to 2023 (36.5 %). The most common form played was Lotto 6 out of 49 with 18.3 % (minus 1.5 %p), followed by social lotteries with 15.0 % (plus 0.5 %p) and Eurojackpot with 13.8 % (plus 0.8 %p). The prevalence of participation in gambling forms with high addiction potential was significantly less common: 2.6 % of the population betted on sporting events with fixed odds (plus 0.1 %p), 2.0 % gambled on AWP machines (plus 0.1 %p), 1.2 % participated in live-action sports betting (plus 0.1 %p), 0.7 % gambled with virtual slot-machines (plus 0.2 %p), and 1.2 % played roulette/ black jack/poker in casinos (table games: plus 0.2 %p). Based on a screening of gambling-related problems, it is estimated that 2.2 % of the German population fulfill the DSM-5-criteria of a “gambling disorder” (2023: 2.4 %). A mild disorder could be found in 0.9 %, a moderate disorder in 0.6 % and a severe disorder in 0.6 %. Further 5.5 % indicate at-risk gambling behavior. In terms of individual forms of gambling, gamblers of virtual slot machines are the most frequently affected by a gambling-related disorder with 32.5 %, followed by slot machines in casinos with 28.1 %, live betting on sporting events with 27.0 %, AWP machines in arcades and pubs with 23.4 %, and poker with 22.6 %. The German Addiction Treatment Statistics 2024 for outpatient addiction care facilities specifies the number of single diagnoses of “pathological gambling” (entrants without one-time contacts) to 5,492, and of main diagnoses to 4,844 (2023: 5,655 or 4,850, respectively). The proportion of women among main diagnosis was 10.6 %. In addition, the proportion related to the total number of clients was 3.8 % or 3.4 %, respectively. Including all clients with one-time contacts, 9,315 individual diagnoses and 7,933 main diagnoses were registered. An extrapolation to the total number of gamblers in 1,182 outpatient centres (with one-time contacts) refers to 12,700 cases with single diagnoses (main diagnoses: 11,100 cases). The largest group is represented by AWP machine gamblers in arcades with 33.8 %, followed by online slot machine gamblers and online sports bettors with 22.6 % and 12.0 %. Differentiated client data from the outpatient gambling addiction support system in the federal state of Lower Saxony indicates, on the one hand, that online gambling is being reported by every second individual seeking advice as the gambling form that causes problems. On the other hand, approximately one in three individuals stated that advertising had a strong to very strong influence to start gambling or continue participating in it. Finally, the German Addiction Treatment Statistics 2024 for inpatient treatment centres include 1,045 registered single and 490 main diagnoses of
“pathological gambling”. At the end of 2024, a total of 303.855 exclusion entries were stored in the database of the player exclusion system OASIS, of which 294,026 (96.8 %) were based on selfexclusion and 9.829 (3,2 %) on third-party exclusion. The database was introduced by the State Treaty on Gambling 2021 (Section 8) on July 1, 2021 as a nationwide central system covering nearly all forms of gambling. From the perspective of addiction prevention, the continued expansion of legal gambling in Germany, combined with their omnipresent marketing, represents an undesirable development. In order to strengthen the common good and protect health from commercial influences, it is therefore necessary to reduce the availability of gambling and to ban or significantly restrict advertising and sponsorship for legal gambling products. Regardless of this, it is important to implement various instruments to combat illegal gambling offerings, both online and offline. 

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