NEWS - weiterlesen

    Praxis der Peritonealdialyse: Verdopplung der Patientenzahlen mit primärer PD-Behandlung empfehlenswert

    Die Handhabung und Ergebnisse der Peritonealdialyse haben sich während der letzten Jahrzehnte wesentlich verbessert. Das Verfahren kann in der primären, differenzierten Indikationsstellung - je nach individueller Situation des Patienten - der Hämodialyse überlegen oder gleichwertig sein. Die Autoren der European Best Practice Guidelines favorisieren, die Indikation für die Peritonealdialyse großzügiger zu stellen als bisher. Wolfgang Pommer, Andreas Vychytil und 41 nephrologische KollegInnen fassen das aktuelle Wissen zur "Praxis der Peritonealdialyse" in ihrem neu publizierten Lehrbuch zusammen.

    Werner Riegel nennt Gruppen, die in besonderer Weise von der PD profitieren - mit Co-Erkrankungen:

    - ausgeprägte Herzinsuffizienz, therapierefraktäre
      Überwässerung oder Aszites
    - Gefäßprobleme, die für die Anlage einer AV-Fistel
      problematisch sind
    - Probleme bei intermittierendem Flüssigkeitsentzug
    - virale Infektionen (Hepatitis B und C, HIV)
    - Lebererkrankungen mit Aszites

    Riegel empfiehlt die PD auch unter psychosozialen
    Gesichtspunkten - für

    - Kinder und Ältere mit guter familiärer Einbindung
    - Berufstätige
    - Menschen mit hoher Reiseaktivität
    - Patienten mit flexiblem Lebensstil

    Entsprechend kennzeichnet Wolfgang Pommer die Patientensicht auf das Verfahren:
    - Verbesserte Energie und Kraft
    - erfreuliche Lebensqualität
    - Möglichkeit der Heimtherapie
    - Möglichkeit der nächtlichen Behandlung
    - Unabhängigkeit, Flexibilität
     

    Pommer: "Der größte Teil terminal Nierenkranker ist für beide Dialyseverfahren geeignet. In der Kombination mit einer Nierentransplantation sollte initial ein integriertes Nierenersatzkonzept entwickelt werden, das die Vorteile der einzelnen Verfahren nutzt. Überlebenszeiten von über zwanzig Jahren sollten damit für eine Gruppe von Patienten im mittleren Lebensalter möglich sein. Die initialen Vorteile der PD als Heimdialyseverfahren, Schonung des Gefäßstatus, Möglichkeit des sofortigen Behandlungsbeginns, durchschnittlich länger erhaltene Nierenrestfunktion, geringere Ernährungsrestriktionen, gute soziale Rehabilitation, besserer Erhalt der Kognition, Kosteneffizienz und Vorteile in der frühen Transplantationsphase sind Argumente für eine primäre Indikationsstellung des Verfahrens. Die Verdopplung der Patientenzahlen mit einer primären PD-Behandlung in einem integrierten Behandlungskonzept ist möglich ..."

     

    Wolfgang Pommer, Andreas Vychytil (Hrsg.): Praxis der Peritonealdialyse.
    Pabst, 460 Seiten, Hardcover ISBN 978-3-95853-630-2, eBook ISBN 978-3-95853-631-9

    weitere Informationen zum Buch