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    DSO-Kongress: Bei optimaler Klinikorganisation ist eine Verdopplung der Organspender möglich

    Unterstützung durch die Klinikleitung, mehr Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit bei der Festlegung interner Abläufe und verpflichtender Schulungen, genügend Freiraum und Wertschätzung ihrer Arbeit – das sind wichtige Voraussetzungen, damit Transplantationsbeauftragte ihre Aufgaben in den Krankenhäusern zuverlässig erledigen können. Als Wegbereiter für die Organspende stehen sie im Mittelpunkt der gesetzlichen Neuerungen vom April letzten Jahres. Dass das Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende den Weg für mehr Organspenden ebnet, darin stimmten alle Teilnehmenden der Expertenrunden während der Live-Schaltung des diesjährigen virtuellen Jahreskongresses der Deutschen Stiftung Organtransplantation überein. Einigkeit herrschte auch darüber, dass viele Schritte bereits getan wurden, aber noch weiter Verbesserungspotenzial besteht, das gemeinsam realisiert werden sollte.

    Die Zahlen der gesetzlich verordneten Berichtspflicht anhand von Einzelfallanalysen in den Entnahmekliniken sind eindeutig. Wenn in den Kliniken diejenigen, die bereit sind zu spenden und die medizinischen Voraussetzungen erfüllen, in jedem Fall identifiziert würden, so gäbe es in Deutschland wohl doppelt so viele Organspender. Mögliche Organspender zu erkennen ist eine wichtige Aufgabe der Transplantationsbeauftragten. Ihre Position wurde durch das Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende vom 1. April 2019 deutlich gestärkt. Was hat sich seitdem im Klinikalltag verbessert, was ist noch zu tun? Wie halten es die Kliniken mit der gesetzlich geforderten Freistellung? Das waren die Fragen, die Transplantationsbeauftragte stellten und die in der Diskussionsrunde mit Experten zum Teil auch kontrovers diskutiert wurden.

    Diese Freistellung von anderen Tätigkeiten, zum einen für regelmäßige Schulungen und Unterstützung des Klinikpersonals, zum anderen aber um insbesondere flexibel im Rahmen einer möglichen Organspende zu sein, ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Transplantationsbeauftragten ihren verantwortungsvollen Aufgaben überhaupt nachkommen können. Gleichzeitig wurde in der Diskussion und den Stellungnahmen von Transplantationsbeauftragten deutlich, dass die praktische Umsetzung herausfordernd ist.

    Eine Live-Umfrage bei den etwa 400 Transplantationsbeauftragten, die die Expertenrunde verfolgten, ergab, dass in fast 50 Prozent der Krankenhäuser die gesetzlich geforderte Freistellung der Transplantationsbeauftragten nur teilweise erfolgt und lediglich 10 Prozent von ihnen die Freistellung ihrer Tätigkeit vollständig umgesetzt sehen. Ob die Klinikleitungen hier stärker in die Pflicht genommen werden sollten oder zunächst der Pflege- und Ärztemangel beseitigt werden müsse, um die Entlastung überhaupt erst zu ermöglichen, waren zentrale Diskussionspunkte. Einig waren sich die Diskutanten darüber, dass die Vernetzung der Transplantationsbeauftragten ein wichtiges Element sei, um Transparenz zu schaffen und deren Anliegen Gewicht zu verleihen. „Im Sinne des Gesetzes sollte die Freistellung in allen Kliniken zu 100 Prozent voll erfüllt sein“, kommentierte Dr. med. Axel Rahmel das Stimmungsbild. Gleichzeitig sei die Frage, ob dies etwa mit Konsequenzen belegt werden sollte, noch zu früh. Er appellierte an die Klinikleitungen und Geschäftsführungen, den Transplantationsbeauftragten Vertrauen und Wertschätzung entgegenzubringen, um ihre Position innerhalb der Kliniken zu stärken.

    Große Hoffnung verbinden die Experten mit der Einführung des neurologischen Rufbereitschaftsdienstes, der vor allem die Krankenhäuser ohne Neurochirurgie bei der Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls unterstützen soll. Eine Verzögerung der Todesfeststellung würde sowohl von den Angehörigen als auch von den Mitarbeitern in den Kliniken selbst als sehr belastend empfunden. Diese gesetzlich vorgesehene Unterstützung wird jedoch voraussichtlich erst im Jahr 2022 zur Verfügung stehen.

    Bisher ergibt sich statistisch gesehen in Deutschland keine nachweisbare Korrelation zwischen der Zahl der COVID 19-Infektionen und der Zahl der Organspenden. Die weitere Entwicklung in der jetzt beginnenden zweiten Welle ist abzuwarten. Der Infektiologe Prof. Dr. med. Bernd Salzberger (Universitätsklinikum Regensburg) erklärte, dass Transplantierte im Falle einer Corona-Infektion eine besondere Behandlung bei der Anpassung der Immunsuppression benötigen. Auch müsse eine eigene Impfstrategie für Transplantierte entwickelt werden.

     

    Weitere Informationen zu diesen Themen:
    www.dso.de/DSO-Kongress/Pages/Presse.aspx

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