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    Akademie Niere: Impfungen dringend notwendig - gegen Influenza, Pneumokokken, Hepatitis

    Vorsorge-Impfungen sind bei Nierenkranken nur eingeschränkt wirksam, jedoch immer nützlich und dringend zu empfehlen. Professor Dr. Matthias Girndt fasst den neuen Informationsstand in seinem Beitrag zum aktuellen Lehrbuch der Akademie Niere zusammen. In einer großen Studie mit Dialysepatienten senkte eine Influenza-Impfung das Sterblichkeitsrisiko um 27 Prozent, eine Pneumokokkenimpfung um 23 Prozent, beide Impfungen zusammen um 39 Prozent.

    Auf eine Influenzaimpfung reagieren nur etwa 30 bis 40 Prozent  der Dialysepatienten mit einem zufriedenstellenden Antikörper-Anstieg. Doch gehen die Effekte über diesen Mechanismus offensichtlich hinaus: Geimpfte Patienten erleiden wesentlich seltener kardiovaskuläre Ereignisse.

     

    Die Oberflächenantigene von Pneumokokken sind immunogener als Virusantigene. Daher führt die Impfung gegen Pneumokokken-Bakterien allgemein und auch bei chronisch Nierenkranken zu einem besseren Ansprechen als bei Influenza: Daten zeigen ein etwa 75prozentiges Ansprechen und die Persistenz der Antikörper über mindestens zwölf Monate.

     

    Eine konsequente Praxis hat dazu geführt, dass inzwischen nur noch etwa ein Prozent der Dialysepatienten mit Hepatitis B und etwa 2,4 Prozent mit Hepatitis C infiziert sind. "Die Übertragung von Virushepatitis im Zusammenhang mit der Hämodialyse ist durch optimale Hygienemaßnahmen sicher zu vermeiden. Kommt es dennoch zu nosokomialen Übertragungen, so liegen in der Regel vermeidbare Hygienefehler zugrunde," warnt Girndt. Detailliert beschreibt er die Hygieneregeln.

     

    "Während die aktive Hepatitis-B-Impfung bei 95 Prozent der Gesunden zu langanhaltender Immunität führt, lässt sich dies bei nur ca. 60 Prozent der Dialysepatienten erreichen. Niedrige Antikörpertiter führen zu einer relativ kurzen Dauer der Immunität. Auch die allgemein für Dialysepatienten empfohlenen doppelten Impfstoffdosen und erweiterten Impfschemata können keine völlige Abhilfe schaffen. Dennoch ist nachgewiesen, dass eine möglichst umfassende Immunisierung aller Dialysepatienten neben strikter Hygiene zu den wichtigsten Maßnahmen gehört, um die Infektion zu vermeiden." Die erste Impfung sollte bereits ein halbes Jahr vor Beginn der Dialysetherapie erfolgen.

     

    Unter der Immunschwäche kann bei Nierenkranken das Varizella Zoster Virus reaktiviert werden; daher beschreibt Girndt ausführlich die Prävention des Herpes Zoster, muss allerdings einschränken: Die relevanten Impfstoffe sind zeitweise nicht lieferbar ...

     

    Akademie Niere (Hrsg.)
    Lehrbuch für Nieren- und Hochdruckkrankheiten 2020.
    Pabst, 724 S. Hardcover ISBN 978-3-95853-604-3.
    eBook ISBN 978-3-95853-605-0   

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