"Eine Lebendnierenspende ist derzeit medizinisch gesehen die beste Art der Nierenersatztherapie; sie geht aber mit Risiken für Spender einher. Daher ist eine umfassende Aufklärung erforderlich, um Spendern eine informierte Entscheidung zu ermöglichen. Insbesondere die Risiken für eine reduzierte Nierenfunktion, eine arterielle Hypertonie und auch ein Fatigue-Syndrom nach Spende sind wichtig," betont Prof. Dr. Christine Kurschat in Nieren- und Hochdruckkrankheiten.
Grundsätzlich gilt für Barbara Suwelack: "Die Evaluation sollte stufenweise erfolgen. Sie muss ausreichende Bedenkzeit für die Betroffenen gewährleisten, sodass die Spenderwilligen bei Bedenken jederzeit und ohne persönlichen Nachteil von der geplanten Lebendspende zurücktreten können." Schritt für Schritt werden potentieller Spender und Empfänger sowohl medizinisch als auch psychologisch untersucht. Im Vordergrund steht der Schutz des Spenders: Seine Gesundheit darf nicht voraussehbar beeinträchtigt werden. Spender müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Eine grundsätzliche Altersgrenze nach oben existiert nicht; in Einzelfällen können auch gesunde 80jährige erfolgreich spenden.
Neben der immunologischen ist auch die psychische Kompatibilität zwischen Spender und Empfänger für das therapeutische Ergebnis relevant. Dr. Johanna Jedamzik beschreibt in ihrem Beitrag in Nieren- und Hochdruckkrankheiten mögliche günstige und ungünstige Konstellationen, die rechtzeitig diagnostiziert und bei der Entscheidung für oder gegen eine Lebendspende mit in die Wagschale gelegt werden sollten. Häufig erwarten Spender vergebens, dass sich ihre Beziehung zum Empfänger durch die Transplantation vertieft.
Barbara Suwelack (Hrsg.): Nierenlebendspende. Nieren- und Hochdruckkrankheiten 9/2022