Ganz konkret ging es den Kardiotechnikern um eine angemessene Bezahlung, um eine bessere tarifliche Eingruppierung. Untrennbar damit verbunden war ihr allgemeiner Kampf um Anerkennung. Zuvörderst darum, als Teil des „herzchirurgischen Dreiecks“ betrachtet und geachtet zu werden, das der Kardiotechniker mit dem Kardiochirurgen und dem Kardioanästhesisten bildet. Von Anfang an maßgeblich war für die Kardiotechniker ihr Verhältnis zu den Herzchirurgen und ihrer Organisation, der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG). Es war geprägt durch eine vertrauensvolle Kooperation, die freilich nicht frei von Spannungen war.
Der Berliner Autor Francesco Mammone hat im 50. Jahr des Bestehens der DGfK ihre Geschichte vorgelegt. Er erzählt, wie sich die Kardiotechniker zusammenfanden, wie sie ihre Verbandsarbeit aufzogen, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen und welche Hindernisse sie zu überwinden hatten. Von ihren mühevollen Verhandlungen mit Ministerien, Gewerkschaften und Verbänden. Von den abzuwehrenden Versuchen, sie tariflich herab zu gruppieren. Er spart auch die internen Probleme und Konflikte, die eine Mitgliederorganisation zu bewältigen hat, nicht aus. Mammone stellt überdies einige ihrer prägenden Persönlichkeiten vor, so z.B. Josef Güttler, den „Vater der Kardiotechnik in Deutschland“. Er thematisiert auch die Frage nach den Frauen in der Kardiotechnik. Er beschreibt die oftmals frustrierenden Anstrengungen der Kardiotechniker, dass ihr Beruf durch die Arbeitgeber, den Gesetzgeber und auch die Öffentlichkeit endlich anerkannt werde. Als wesentlich erwies sich ihre Arbeit an der ständig erweiterten Definition ihrer Tätigkeit. Schließlich wurde der Entwurf eines angemessenen Ausbildungswegs und seine institutionelle Etablierung immer wichtiger, der nunmehr in die Akademisierung des Berufs des Kardiotechnikers mündet.
Für sein Buch hat Francesco Mammone ein Jahr lang geforscht. Er recherchierte in den Archiven der DGfK und der DGTHG. Darüber hinaus hat er private Dokumentensammlungen und Nachlässe aufgetan und erkundet. Nicht zuletzt machte er zahlreiche Zeitzeugen ausfindig und sprach mit ihnen. An vielen Stellen seines Buchs lässt er sie zu Wort kommen und die Aussagen der Akten ergänzen. So entstand ein vielstimmiges, lebendiges Bild der Geschichte eines Berufsverbands. Es vermittelt Interessantes zum Thema bestehender Hierarchien im Krankenhaus und dem Streben nach Gleichberechtigung in der Klinikarbeit.
Francesco Mammone:
Die Geschichte der deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik
Pabst, 2021, 138 Seiten, Print: ISBN 978-3-95853-731-6,
PDF ISBN, 978-3-95853-732-3