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Einbindung von Angehörigen ist ein Qualitätskriterium der modernen Intensivbehandlung

"Bei der Arbeit auf der Intensivstation sollten Angehörige - wenn sie und der Patient es wünschen - möglichst aktiv eingebunden werden. Viele Angehörige können und wollen einen aktiven Beitrag bei der Pflege leisten. Dies kann zur Reduktion von Ängsten (bei Angehörigen), Steigerung von Wohlbefinden (bei Patienten) und Erhöhung von Sicherheit (bei Patienten) beitragen", empfiehlt die Pflegeexpertin Anja Siegle (Thoraxklinik Heidelberg) im Jahrbuch Intensivmedizin 2019. "Gleichwohl braucht es eine Einschätzung der Pflegenden und gegebenenfalls eine Aushandlung über die Gestaltung: Bei welchen Tätigkeiten möchten und können Angehörige aktiv eingebunden werden? Dies ist ein Aufwand, der sich langfristig für alle Beteiligten auszahlt.

Anja Siegle bezieht sich auf eigene Erfahrungen und qualifizierte Studien. Das Konzept stellt einen hohen Anspruch an die Pflegenden. Im Gegenzug können sie die unterschiedlichen Rollen, die Angehörige einnehmen, nutzen. Die Anwesenheit von Angehörigen kann die Risiken von Agitation, Verwirrtheit, Delir signifikant vermindern. Angehörige können den Patienten und die Pflegenden informieren, vielleicht auch ermutigen.

Angehörige können nach einer Zeit der Anleitung selbständig Tätigkeiten übernehmen - z.B. Hände waschen, passives Fußbeugen, passive Bewegungsübungen, Handmassage, Lippen- und Hautpflege. Beim Weaning können Angehörige die Pflegenden informieren, wenn sie den Eindruck haben, der Patient erschöpft sich zu sehr. Darf der Patient wieder essen und trinken, können Angehörige die Mahlzeiten anreichen. Bei der Mobilisierung können Angehörige eine aktivierende und aktive Rolle übernehmen. Eine vertraute Stimme mit vertrautem Vokabular bietet eine Orientierung zwischen vielen fremden Stimmen und Geräuschen.

Pflegende coachen Angehörige - und werden von ihnen anderseits entlastet. Angehörigenzentrierte Versorgung wird von der interdisziplinären und internationalen Arbeitsgruppe der Fachgesellschaft Society of Critical Care Medicine (SCCM) empfohlen und gilt als Qualitätskriterium der modernen Intensivmedizin.

 

Literatur zu Thema


B.W. Boettiger, W. Kuckelt: Jahrbuch Intensivmedizin 2019.
Pabst, 466 Seiten. Hardcover
eBook ISBN 978-3-95853-470-4
ISBN 978-3-95853-469-8,

 

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