Anja Siegle bezieht sich auf eigene Erfahrungen und qualifizierte Studien. Das Konzept stellt einen hohen Anspruch an die Pflegenden. Im Gegenzug können sie die unterschiedlichen Rollen, die Angehörige einnehmen, nutzen. Die Anwesenheit von Angehörigen kann die Risiken von Agitation, Verwirrtheit, Delir signifikant vermindern. Angehörige können den Patienten und die Pflegenden informieren, vielleicht auch ermutigen.
Angehörige können nach einer Zeit der Anleitung selbständig Tätigkeiten übernehmen - z.B. Hände waschen, passives Fußbeugen, passive Bewegungsübungen, Handmassage, Lippen- und Hautpflege. Beim Weaning können Angehörige die Pflegenden informieren, wenn sie den Eindruck haben, der Patient erschöpft sich zu sehr. Darf der Patient wieder essen und trinken, können Angehörige die Mahlzeiten anreichen. Bei der Mobilisierung können Angehörige eine aktivierende und aktive Rolle übernehmen. Eine vertraute Stimme mit vertrautem Vokabular bietet eine Orientierung zwischen vielen fremden Stimmen und Geräuschen.
Pflegende coachen Angehörige - und werden von ihnen anderseits entlastet. Angehörigenzentrierte Versorgung wird von der interdisziplinären und internationalen Arbeitsgruppe der Fachgesellschaft Society of Critical Care Medicine (SCCM) empfohlen und gilt als Qualitätskriterium der modernen Intensivmedizin.
Literatur zu Thema
B.W. Boettiger, W. Kuckelt: Jahrbuch Intensivmedizin 2019.
Pabst, 466 Seiten. Hardcover
eBook ISBN 978-3-95853-470-4
ISBN 978-3-95853-469-8,