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    NEWS-Archiv - zum weiterlesen

    Herzerkrankungen: Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Medizin häufig und schädlich

    In der Medizin kann eine am Mann ausgerichtete Gleichbehandlung negative Folgen für Frauen haben. Insbesondere bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen plädieren Expertinnen und Experten für eine geschlechtsspezifische Versorgung. So widmet sich die jüngste Ausgabe der Fachzeitschrift „Aktuelle Kardiologie“ geschlechtersensiblen Aspekten in der Risikobewertung, Diagnose und Therapie verschiedener Krankheitsbilder rund um das Herz.

    Die koronare Herzerkrankung (KHK) – eine Verengung der Herzkranzgefäße – kann in einem Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen oder einer Herzschwäche münden. Weltweit gelten Herz-Kreislauf-Erkrankungen als häufigste Erkrankung bei Männern und Frauen. Laut Statistischem Bundesamt waren sie 2020 für die meisten (34 Prozent) aller Todesfälle hierzulande verantwortlich.

    Risikofaktoren wie Diabetes wiegen bei Frauen schwerer

    Zahlreiche Studien belegen inzwischen, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, was die Entwicklung einer KHK anbelangt: So sind Patientinnen bei der Erstdiagnose im Mittel zehn Jahre älter als Patienten. Daraus ergeben sich mehr Begleiterkrankungen wie beispielsweise Diabetes mellitus. Die Stoffwechselerkrankung korreliert bei Frauen stärker mit einem Herzinfarkt als bei Männern: Patientinnen mit Diabetes Typ 1 haben ein um 40 Prozent erhöhtes Letalitätsrisiko und ein doppelt so hohes Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis im Vergleich zu Männern. Auch psychosoziale Faktoren, wie Stress oder Depressionen, gehen dem weiblichen Geschlecht mehr zu Herzen als dem männlichen. Die zugrunde liegenden Mechanismen dieser Zusammenhänge sind noch unklar.

    Abweichende Symptome können adäquate Behandlung verzögern

    Symptome weichen bei Frauen und Männern unter Umständen voneinander ab: Insbesondere beim akuten Koronarsyndrom, dem plötzlichen Verschluss einer Koronararterie, klagen Frauen deutlich weniger (50 Prozent) über „typische“ Brustschmerzen als Männer (69,3 Prozent). Mit zunehmendem Alter der Patientinnen nimmt diese ohnehin wenig ausgeprägte Symptomatik weiter ab. Bei jüngeren Frauen (unter 45 Jahre) sind es noch fast 87 Prozent, im Vergleich zu etwa 51 Prozent bei den über 75-Jährigen. Zu atypischen Beschwerden von Frauen zählten Luftnot, Schwäche, Übelkeit, Kiefer-, Schulter- und Armschmerzen. Das kann dazu führen, dass Patientinnen eine weniger zielführende Diagnostik und adäquate Behandlung erhalten als männliche Betroffene. (2)

    Frauenherzen ticken anders

    Bei der Diagnose von Herzrhythmusstörungen müssen Behandler ebenfalls geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Blick haben. Das beginnt bereits beim Lesen des 12-Kanal-Elektrokardiogramms (EKG). Damit messen Ärztinnen und Ärzte die elektrische Erregung des Herzens. Bestimmte Ausschläge der Messkurven (Amplituden) sind bei Frauen aufgrund der kleineren Organgröße und des größeren Brustgewebes nicht so ausgeprägt wie bei Männern. Auch haben Frauen grundsätzlich eine höhere Ruheherzfrequenz. Dass sich dieser Unterschied erst mit der einsetzenden Pubertät zeigt, lässt auf einen Zusammenhang mit den Sexualhormonen schließen. (3)

    Arzneimitteltherapie: Frauen sind keine „kleinen Männer“

    Bis heute sind Frauen in klinischen Zulassungsstudien unterrepräsentiert. Das führt dazu, dass Medikamente und deren Dosierungsempfehlung eher am männlichen Körper ausgerichtet sind. Es gibt jedoch eine Reihe geschlechtsspezifischer Unterschiede, die Wirkdauer, Wirkstärke und Wirkqualität eines Arzneimittels beeinflussen.

    So haben Frauen meist nicht nur ein geringeres Körpergewicht und eine geringere Körpergröße. Auch das Verhältnis von Muskelmasse und Fettanteil unterscheidet sich. Zudem ist der Wassergehalt im weiblichen Körper hormonellen Prozessen und damit Schwankungen unterworfen. Die gleichen Wirkstoffe verteilen sich deshalb bei Männern und Frauen unterschiedlich. Fettlösliche Medikamente werden beispielsweise im Fettgewebe gespeichert und verbleiben daher bei Frauen länger im Körper als bei Männern. Dadurch kann es zu stärkeren und/oder länger anhaltenden erwünschten und unerwünschten Wirkungen kommen. Eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung ist bei der Verordnung von Medikamenten bei Frauen deshalb besonders wichtig.


    Literatur zum TThema

     

    Miemietz, Bärbel (Hrsg.): Medizin und Geschlecht
    Perspektiven für Lehre, Forschung & Krankenversorgung

    Pabst, 2013, 184 Seiten

     

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