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    Darmkrebs: Die Hälfte der Todesfälle durch Vorsorge vermeidbar

     

     

    Im Herbst 2002 wurde die Vorsorge-Koloskopie als gesetzliche Leistung der Krankenkassen eingeführt. Mit dieser Untersuchung lassen sich Vorstufen von Darmkrebs entdecken und abtragen. So können Neuerkrankungen verringert werden und Heilungschancen verbessert werden. Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben nun den Erfolg dieser Maßnahme zur Krebs-Prävention errechnet.

    Von 1977 bis September 2002 gab es in Deutschland nur den Guajak-basierten Test auf okkultes Blut im Stuhl als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen zur Früherkennung von Darmkrebs. Nachdem mit Felix' Tod 2001 die Felix Burda Stiftung mit weiteren Partnern begann, der Darmkrebsvorsorge zu bis dato ungeahnter Aufmerksamkeit in der öffentlichen Wahrnehmung zu verhelfen und medial sowie politisch intensiv für die Verbesserung der Darmkrebsprävention durch die Koloskopie warb, wurde diese erstmals im Oktober 2002 als Vorsorge-Leistung für alle gesetzlich Versicherten ab 55 Jahren eingeführt.

    Dank der Vorsorgekoloskopie, die heute Männern bereits ab 50 Jahren zur Verfügung steht, können Polypen (Vorstufen von Darmkrebs) entdeckt und schmerzfrei entfernt werden. Zudem wird bei einem Prozent der Vorsorge-Darmspiegelungen Darmkrebs entdeckt, der sich überwiegend in einem frühen Stadium befindet, was wiederum die Heilungschancen deutlich verbessert. 

    Weniger Betroffene, weniger Tote

    Wissenschaftler des DKFZ haben nun berechnet, wie sich die Neuerkrankungsrate und die Sterblichkeit seit Einführung der gesetzlichen Vorsorge-Darmspiegelung verändert haben:

    • Von 2000 bis 2016 ging die altersstandardisierte Neuerkrankungsrate bei beiden Geschlechtern um knapp ein Viertel zurück.
    • Zwischen 2000 und 2018 sank die Sterblichkeitsrate bei Männern um 35,8 Prozent,  von ehemals 29,6 auf 19,0 pro 100.000. Bei Frauen sogar um 40,5 Prozent, von 19,0 auf 11,3 pro 100.000. 

    „Die Rückgänge bei den Neuerkrankungen und bei der Sterblichkeit beobachten wir vor allem in der Altersgruppe ab 55 Jahren, für die die Darmspiegelung angeboten wird. Zusammen mit den Ergebnissen bereits vorliegender Studien lassen diese Zahlen keine Zweifel mehr offen, dass das Angebot der gesetzlichen Darmkrebsvorsorge und insbesondere die Darmspiegelung ein hochwirksames Instrument der Krebsprävention ist", sagt Prof. Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

    Aus Sicht der Epidemiologen ist dieser deutliche Rückgang der Darmkrebs-Inzidenz und -Sterblichkeit trotz der demografischen Entwicklung daher in allererster Linie der Wirksamkeit der Darmkrebsvorsorge zu verdanken.

    Rund 8 Millionen Versicherte haben die Vorsorge-Koloskopie seit 2002 in Anspruch genommen, wodurch rund 145.000 Todesfälle und 306.000 Neuerkrankungen verhindert wurden. Aber immer noch erkranken jedes Jahr rund 61.000 Menschen neu an Darmkrebs und fast 24.600 Menschen sterben an der Erkrankung.
    Zahlen, die schockieren, angesichts der vorhandenen präventiven Möglichkeiten für diese Erkrankung. 

    Es mangelt an ausreichenden Teilnahmeraten an der Darmkrebsvorsorge

    Hermann Brenner ist überzeugt, dass sich die Zahlen innerhalb der nächsten zehn Jahre halbieren ließen, wenn mehr Menschen das Angebot zur Darmkrebsvorsorge in Anspruch nähmen. Sein Appell an die Politik:„Wir müssen dringend das Einladungsverfahren zur Darmkrebs-Vorsorge verbessern, um deutlich mehr Menschen zu motivieren, die Chance zur Krebsprävention zu ergreifen".

    Christa Maar, Vorstand der Felix Burda Stiftung, kann ihren Unmut nur schwer in Zaum halten: "Wenn man diese Erfolgszahlen der letzten 19 Jahre sieht und gleichzeitig hört, wie viele Menschen in Zukunft vor Darmkrebs bewahrt werden könnten, wird die Haltung des GBA, der bisher alle Veränderungen am Einladungssystem abblockt, umso unverständlicher. Die aktuellen Teilnahmeraten von 2-3 Prozent der Anspruchsberechtigten sind nicht akzeptabel. Wir müssen den Fokus auf die Erhöhung der Teilnahmeraten am Darmkrebsscreening legen. Dass so viele Menschen in unserem Land unnötigerweise dasselbe Schicksal erleiden, das meinem Sohn das Leben gekostet hat, dürfen wir nicht länger zulassen!"




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