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    NEWS-Archiv - zum weiterlesen

    Ernährungshilfen für Patienten unter NIV- und CPAP- Therapie

    Insbesondere während der Pandemiesituation beobachten Pflegende mangelernährte Patienten – und aktuelle Schwierigkeiten bei der Ernährung. Experten der BAPEN (British Association of Parenteral and Enteral Nutrition) haben daraufhin die folgenden pragmatischen Handlungsempfehlungen erarbeitet.

    Die Hinweise gelten für Patienten mit einer COVID-19-Infektion und werden außerhalb einer Pandemie-Situation möglicherweise nicht als optimal angesehen. Patienten, die nicht-invasiv beatmet (NIV) oder mit kontinuierlichem positivem Atemwegsdruck (CPAP) versorgt werden, können ihre Nährstoffversorgung oft nicht auf oralem Wege sicherstellen1,2. Bei COPD-Patienten, die sich einer NIV unterziehen, wird eine schlechte Ernährungssituation mit einer längeren Verweildauer im Krankenhaus3 und einer erhöhten Sterblichkeit in Verbindung gebracht.4 Anfänglich sollten Nahrungsmittel und orale Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden, aber wenn die Nahrungsaufnahme länger als zwei Tage suboptimal ist, sollte eine künstliche Ernährungsunterstützung in Betracht gezogen werden, wobei die nasogastrale Ernährung (NG-Ernährung) die am leichtesten verfügbare Option ist.

    Die nasogastrale Nahrungszufuhr bei Patienten, die eine NIV/CPAP benötigen, kann mit einigen Problemen verbunden sein, wie z. B. Luftaustritt und Aufblähung des Magens1. Wenn die NG-Ernährung als angemessen erachtet wird, kann die Einhaltung der folgenden Maßnahmen die nasogastrische Nahrungszufuhr erleichtern und gleichzeitig die Risiken bei dieser Patientengruppe minimieren.

    • Bei Patienten mit eng anliegenden Masken können Silikonverbände verwendet werden, um Luftaustritt und das Risiko von Druckschäden an der Haut zu verringern5. Details finden Sie unter https://breathe.ersjournals.com/content/10/3/2302.
    • Verwenden Sie nach Möglichkeit eine feinkalibrige 8Fr NG Ernährungssonde. Siehe https://www.bapen.org.uk/resources-and-education/education-and-guidance/covid-19 zur leichteren Orientierung, um die Position der Sonde vor der Nahrungszufuhr zu bestätigen.
    • Eine Distension des Magens kann zu einer schlechten Verträglichkeit der Nahrung führen und die Zwerchfellfunktion beeinträchtigen. Pumpen für die enterale Ernährung sollten vorrangig bei Patienten mit NIV/CPAP eingesetzt werden, damit die Nahrung kontinuierlich mit einer präzisen Rate infundiert werden kann. Schwerkrafttropfnahrung kann in Betracht gezogen werden, wenn keine Pumpen für enterale Ernährung zur Verfügung stehen; Bolusgaben sollten jedoch aufgrund eines möglichen Anstiegs des Aspirationsrisikos nicht verwendet werden.
    • Ziehen Sie die Verwendung eines Magendekompressionsgeräts in Betracht, z. B. das Farrell-Ventil (Avanos) oder das ENFit-Gastric Decompression System (Medicina). Diese dekomprimieren den Magen während der Nahrungsaufnahme und die Ernährungsfachkraft oder Diätassistentin kann bei deren Verwendung beraten.
    • Stellen Sie sicher, dass der Patient sich während der Nahrungsaufnahme in einem Winkel von 30-40 Grad befindet. Die NG-Ernährung von Patienten mit NIV/CPAP in aufrechter Position wird nicht empfohlen.
    • Die regelmäßige Einnahme von Prokinetika kann bei einer Magendehnung helfen, indem sie die Magenentleerung fördert. NICE CG32 unterstützt die Verwendung von Metoclopramid und Erythromycin entweder allein oder in Kombination3.  Es wurden prokinetische Dosen von Metoclopramid (10mg TDS) und Erythromycin (100-250mg TDS) empfohlen6.
    • Wenn die oben genannten Maßnahmen fehlschlagen, können eine Aspiration des Magens und die Überprüfung des Magenrestvolumens (GRV) in Erwägung gezogen werden, um den Magen zu dekomprimieren und die Absorption der Nahrung zu überprüfen. Ein GRV von < 500 ml/6 Stunden wird als akzeptabel angesehen.6  Wiederholen Sie die Messung nach 6 Stunden, wenn das GRV > 500 ml beträgt. Ein kürzlich erschienener Bericht schlägt vor, dass dies mit einer feinmaschigen NG-Sonde7 durchgeführt werden kann, obwohl eine 10-12 Fr Polyurethan-Sonde vorzuziehen ist.
    • Wenn die Möglichkeit besteht, sie sicher zu platzieren, können nasojejunale (NJ) Sonden in Betracht gezogen werden, um Probleme mit gastrointestinaler Intoleranz zu überwinden.
    • Parenterale Ernährung (PN) sollte erwogen werden, wenn enterale und orale Ernährung erfolglos geblieben sind, insbesondere bei Patienten mit vorbestehender Mangelernährung. Aufgrund des Risikos einer Leitungssepsis und metabolischer Komplikationen wird empfohlen, dass dies, wenn möglich, von einem multidisziplinären Ernährungstherapie-Team überwacht wird3. Ein neuer dedizierter zentraler Venenkatheter (ZVK), z. B. ein peripher eingeführter zentraler Katheter (PICC), wird für die Verabreichung von PN empfohlen. Vorhandene ZVKs aus der Intensivbehandlung können mit Vorsicht verwendet werden, sofern ein Lumen immer für PN vorgesehen ist. Eine engmaschige Überwachung des Blutzuckerspiegels ist unerlässlich, da PN ein höheres Risiko für Hyperglykämie birgt als eine enterale Ernährung8 und die Kontrolle des Blutzuckerspiegels bei der Behandlung von COVID-199 besonders wichtig zu sein scheint.
    • Die periphere PN (<850mOsm/l) wird aufgrund der geringen Nährstoffdichte und des hohen Flüssigkeitsvolumens nicht als erste Wahl empfohlen. Sie erfordert eine sorgfältige Überwachung auf Thrombophlebitis, da sie die Venen stark reizt und zum Verlust des Zugangs für Medikamente führen kann.  Eine periphere Mittelleitung wird empfohlen, wenn die Infusionsdauer voraussichtlich 6 Tage überschreiten wird10. Wenn kurze periphere Kanülen verwendet werden, sollten sie speziell für die PN bestimmt sein und alle 24 - 48 Stunden gewechselt werden.

     

    Literaturangaben

    1. Singer and Rattanachaiwong To eat or to breathe? The answer is both! Nutritional management during noninvasive ventilation. Critical Care (2018) 22:27DOI 10.1186/s13054-018-1947-7

    2. Reeves et al 2014. Energy and protein intakes of hospitalised patients with acute respiratory failure receiving non-invasive ventilation. Clin Nutr. 2014 Dec;33(6):1068-73. doi: 10.1016/j.clnu.2013.11.012

    3. NICE Clinical Guideline 32 Nutrition Support in Adults 2006, 2017

    4. Budweiser S, Jorres RA, Riedl T, et al. Predictors of survival in COPD patients with chronic hypercapnic respiratory failure receiving non-invasive home ventilation. Chest. 2007b;131:1650–8.

    5. Anne-Kathrin Brill. How to avoid interface problems in acute noninvasive ventilation. Breathe 2014 10: 230-242; DOI: 10.1183/20734735.003414 breathe.ersjournals.com/content/10/3/230

    6. Singer et al 2018 ESPEN guideline on clinical nutrition in the intensive care unit. Clinical Nutrition 38 (2019) 48e79

    7. Mariko Kogo et al Enteral Nutrition During Noninvasive Ventilation: We Should Go Deeper in the Investigation—Reply Respiratory Care, August 2017, 62 (8) 1119-1120; DOI: doi.org/10.4187/respcare.05684

    8. Elrick et al 1964 Plasma insulin response to oral and intravenous glucose administration.J Clin Endocrinol Metab24:1076–1082

    9. Wang et al 2020 Timely blood glucose management for the outbreak of 2019 novel coronavirus disease (COVID-19) is urgently needed. Diabetes Research and Clinical Practice. Volume 162, 108118, April 01

    10.E Mauro Pittiruti et al. ESPEN Guidelines on Parenteral Nutrition: Central Venous Catheters (access, care, diagnosis and therapy of complications). Clinical Nutrition 28 (2009) 365–377

     


    Quelle: https://www.bapen.org.uk/pdfs/covid-19/nutrition-in-niv-21-04-20.pdf

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