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    Angehörige tragen die Hauptlast der Pflege und sind ihrerseits stark gefährdet

    Mehr als zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden zuhause versorgt. Die pflegenden Angehörigen sind allerdings eine vulnerable Gruppe: Sie werden überdurchschnittlich oft und lange krank. Es darf außerdem nicht vernachlässigt werden, dass es sich dabei zum großen Teil selbst um Ältere handelt: Mehr als 60 Prozent von ihnen sind über 55 Jahre alt. Grund genug, diesen „Kümmerern“ den Rücken zu stärken, findet Hartmut Sebastian, Lehrbeauftragter an der Hochschule für Ökonomie und Management in Essen, und plädiert für ein „Senioren-Coaching“ für pflegende Angehörige im fortgeschrittenen Alter. Die Studie erschien im aktuellen Reader „Halt und Haltung“ (herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Transaktionsanalyse).

    Die Angehörigen sind laut Sebastian der „größte Pflegedienst der Nation“ und wie in der professionellen Pflege sind auch hier hauptsächlich Frauen im Einsatz: Ehepartnerinnen oder Töchter kümmern sich um die hilfebedürftigen Familienmitglieder. Sie stammen entweder aus der Nachkriegsgeneration oder der sog. „Babyboomer-Phase“ und betrachten die Pflege ihrer Partner oder Eltern als Selbstverständlichkeit.

    Dennoch fühlen sich viele von ihnen überfordert, allein gelassen oder nicht anerkannt. In der Folge entwickeln sie häufiger ein Burnout oder werden „kalt“, lassen Gefühle und andere Menschen nicht mehr an sich ran. Beratung, Austausch und Sicherheit werden gewünscht, um mit der belastenden Situation besser umzugehen. Sebastian schlägt ein Coaching auf Basis der Transaktionsanalyse vor, um die körperliche und seelische Gesundheit der pflegenden Angehörigen so lange wie möglich zu erhalten. Dieses erfordert eine aktive Arbeit an der eigenen Persönlichkeit:

    • Bewusstwerdung (z.B. eigener Rollenbilder, evtl. idealisierter Elternbilder)
    • Entwicklung einer toleranten Haltung (sich selbst und anderen gegenüber)
    • Befriedigung persönlicher Bedürfnisse (z.B. Organisation von Unterstützung)
    • Realismus (Pflegearbeit entspannter angehen, um Überforderungen zu vermeiden)

    Die Umsetzung dieser vier Punkte klingt leichter, als sie ist. Dazu ist vor allem eine funktionelle und symbiotische Beziehung zwischen Pflegebedürftigen und Pflegenden vonnöten, diese sollte von Seiten der Angehörigen im Rahmen einer bewussten Beziehungsgestaltung kontrolliert und professionell angeboten werden.

    Wir dürfen nicht vergessen: Die pflegenden Angehörigen halten unser Pflegesystem aufrecht. Wenn sie „wegbrechen“ und selbst pflegebedürftig werden, wird das „Zepter“ der Pflege an eine durch schwache Geburtenjahrgänge und weniger familiäre Verpflichtung geprägte Generation weitergegeben – wir sollten also durchaus mehr Energie dafür aufwenden, den „größten Pflegedienst der Nation“ in allen Belangen zu unterstützen.

    Professorin Dr. Elisabeth Bubolz-Lutz und Kolleginnen gehen über den Ansatz von Hartmut Sebastian weiter hinaus:  In ihrem Handbuch beschreiben sie ausführlich, wie Initiativen unterschiedlichster Art pflegende Angehörige umfassend entlasten und stärken können; erprobte Handlungsempfehlungen gehen bis in konkrete Details.

     

    Literatur:

    Hartmut Sebastian: Seniorencoaching - Halt geben und Halt finden in einer vernachlässigten Lebensphase. In C. Scheurenbrand (Hrsg.), Halt und Haltung. Reader zum 39. Fachkongress der Deutschen Gesellschaft für Transaktionsanalyse (S. 298-307). Pabst 2019, 344 Seiten. Paperback ISBN 978-3-95853-506-0. eBook 978-3-95853-506-0

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    Elisabeth Bubolz-Lutz et al.: Pflegebegleitung – Handbuch zum Aufbau von Initiativen zur Stärkung pflegender Angehöriger. Pabst, 232 Seiten mit CD-ROM. Paperback ISBN 978-3-95853-101-7. eBook ISBN 978-3-95853-102-4

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