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    Pharmamarkt: wenig Innovation, reichlich Fehlmedikation und 1,5 Millionen Medikamentensüchtige

    Aus den Forschungsabteilungen der Pharmaindustrie sind während der letzten Jahre nur vereinzelte innovative Medikamente gekommen. Anderseits pushen Konzerne häufig lukrative Fehlversorgungen in der Arzneimitteltherapie. Ärzten fehlt im Zweifel die "notwendige Distanz" gegenüber diesen Einflüssen, Patienten fehlt das Detailwissen. Daher werden nach wie vor vielzuviele Schlafmittel, Tranquilizer, stark beruhigende Psychopharmaka und Nasensprays verordnet oder rezeptfrei genommen. Das Suchtpotential ist bekannt. Annähernd 1,5 Millionen Deutsche sind von Präparaten dieser Medikamentengruppen abhängig, berichtet Prof. Dr. Gerd Glaeske im aktuellen "Jahrbuch Sucht 2019".

    Zwei Drittel der Betroffenen sind älter als 65 Jahre - und in der Mehrheit Frauen. Die Präparate senken die Konzentrationsfähigkeit, die Aufmerksamkeit, die Bewegungsfähigkeit, die Kommunikationsfähigkeit, die Koordinationsfähigkeit und das Sehvermögen. Damit reduziert sich einerseits die gesamte Lebensqualität, und anderseits steigt das Demenz-Risiko; Konzentrationsmangel und Gangunsicherheit lassen die Betroffenen häufiger stürzen; Knochenbrüche folgen, Pflegebedürftigkeit ...
     
    Glaeske legt den ärztlichen KollegInnen die aktualisierte S3-Leitlinie zur Schlafmittelverordnung dringend ans Herz, da sie auf wissenschaftlicher Basis Irrtümer korrigiert, die zuvor vom Pharmamarketing gern lanciert wurden. Die Leitlinie lässt keinen Zweifel daran, dass Benzodiapezine (BZ), Benzodiapezinrezeptoragonisten (BZRA), Zolpidem und Zopiclon ein hohes Suchtpotential besitzen. Eine Kurzzeittherapie von etwa vier Wochen ist mit diesen Präparaten vertretbar. Eine darüber hinausgehende Einnahme bietet jedoch für den Patienten weit mehr Risiken als Nutzen. Glaeske bietet im Jahrbuch Sucht tabellarisch detaillierte Übersichten über die Verbreitung und Risikopotentiale der einzelnen Präparate.
     
    Die Zulassung der medizinischen Cannabinoide ist neu. Glaeske warnt: "Derzeit sind die Erkenntnisse zum Nutzen noch immer lückenhaft. Cannabis kann nicht gegen alles helfen, es ist kein pflanzliches Wundermittel, das über allen anderen Arzneimitteln steht." Für denkbar hält Glaeske die neurologischen Indikationen Chronischer Schmerz, Spasmen bei Multipler Sklerose und Paraplegie, Epilepsien, Übelkeit nach Chemotherapie, Appetitlosigkeit bei HIV/AIDS. Möglicherweise könnten Cannabinoide auch bei psychischen Erkrankungen sinnvoll sein: Angststörungen, Schlafstörungen, Tourette-Syndrom, ADHS. Keine Wirksamkeit sieht Glaeske allerdings bei den oft behaupteten Indikationen Depression, Psychosen, Demenz, Glaukom, Darmerkrankungen.
     
     
    Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Jahrbuch Sucht 2019
    Pabst, 264 Seiten. Hardcover ISBN 978-3-95853-483-4. eBook ISBN 978-3-95853-484-1
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    Thomas Köhler: Pharmakotherapie in der Psychotherapie. 7. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018
    Pabst, 204 Seiten. Paperback ISBN 978-3-95853-467-4. eBook 978-3-95853-468-1
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