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„Die Ausmaße der Gewalt in der Pflege werden
von unserer Gesellschaft ignoriert und
tabuisiert“, sagt der Geschäftsführer des
Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA), Dr.
Peter Michell-Auli. Vier Millionen ältere
Menschen werden allein in Europa
misshandelt. Das geht aus einem aktuellen
Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO
hervor. Etwa 2500 Opfer sterben an den
Folgen der Misshandlungen. Das KDA
informiert in der aktuellen Ausgabe des
Fachmagazins ProAlter über Gewalt in der
Pflege.
Rund 70 Prozent der pflegebedürftigen
Menschen werden im häuslich-familiären
Umfeld versorgt. Angehörige schlittern oft
unvorbereitet oder unfreiwillig in eine
Pflegesituation hinein. Viele Familien
leiden zusätzlich unter ungelösten
familiären Konflikten, Doppelbelastungen
durch Beruf und Pflege oder externe Faktoren
wie Schulden. „Dies kann zu verzweifelten
Reaktionen und Überlastungserscheinungen in
Form von Gewalt und Misshandlungen führen“,
erklärt Christine Sowinski, Leiterin des
Bereichs Beratung von Einrichtungen und
Diensten im KDA.
Nur ein Bruchteil der Misshandlungen kommt
überhaupt ans Licht. „Die Gewalt findet
hinter verschlossenen Türen statt und wird
häufig vom Umfeld gedeckt“, sagt Sowinski.
Es ist davon auszugehen, dass deutlich mehr
als die von der WHO genannten vier Millionen
älteren Menschen in Europa unter
Misshandlungen leiden. „Fest steht, dass die
Gefahr für Übergriffe auch mit der
Komplexität der Ausgangssituation, der Dauer
der Pflegebedürftigkeit und dem Grad der
Hilflosigkeit der Pflegebedürftigen steigt“,
erklärt Sowinski. Das Gewaltpotenzial könne
nur gemindert werden, wenn über Gewalt in
der Pflege auch gesprochen würde. Jedes
Eingreifen, jede erfolgreiche Beratung und
jedes Entlastungsangebot habe unmittelbare
positive Folgen für von Gewalt betroffene
Menschen. „Es ist höchste Zeit, effektive
Präventions- und Deeskalationsstrategien zu
entwickeln und diese konsequent umzusetzen“,
sagt Michell-Auli.
Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA)
hat im Juli 2011 einen vom Bundesministerium
für Gesundheit (BMG) geförderten
Experten-Workshop zum Thema „Gewalt in der
Pflege“ veranstaltet. Teilnehmende waren
neben Vertretern des BMG ExpertInnen aus
Praxis und Forschung. Die Ergebnisse des
Workshops veröffentlicht das Fachmagazin
ProAlter (Ausgabe 1/2012) nun.
Weitere Informationen finden Sie auch unter
http://www.kda.de/proalter.html.
Quelle:
http://idw-online.de/de/news459633
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