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Eine Einladung, mit dem Rauchen zu beginnen,
liefern die Erkenntnisse von US-Forschern
sicher nicht. Doch möglicherweise kann
transdermal verabreichtes Nikotin die
kognitive Leistung von Menschen mit ersten
ernsthaften Gedächtnisproblemen verbessern.
Ein Team um Dr. Paul Newhouse aus Nashville
hatte 74 älteren Menschen mit leichten
kognitiven Einschränkungen (mild cognitive
impairment, MCI) sechs Monate lang
regelmäßig ein Pflaster verabreicht, das
entweder täglich 15 mg der Droge freisetzte
oder keinen Wirkstoff enthielt (Neurology
2012; 78: 91).
Zu Beginn und am Ende der Studie wurden die
Teilnehmer diversen Tests unterzogen. Mit
der Nikotintherapie hatte sich das
Kurzzeitgedächtnis in den sechs Monaten
signifikant verbessert, nicht so mit
Placebo.
Ängste weniger ausgeprägt
Mussten die Testpersonen vorgelesene Wörter
wiedergeben, so schnitten sie mit Nikotin
sowohl bei der unmittelbaren als auch der
verzögerten Wiedergabe besser ab, sie
vergaßen also weniger Wörter. Zudem war die
Reaktionszeit in Computertest unter der
Nikotintherapie geringer, was die Autoren
als Zeichen einer verbesserten
Aufmerksamkeit interpretierten.
Der klinische Gesamteindruck hatte sich in
der Nikotingruppe nach dem Urteil der
untersuchenden Ärzte bei acht Teilnehmern
verbessert (24 Prozent), aber nur bei Dreien
(9 Prozent) in der Kontrollgruppe.
Allerdings waren die Unterschiede hier nicht
signifikant, dafür war die Teilnehmerzahl zu
gering.
Ebenfalls nur einen Trend zur Signifikanz
gab es bei Tests auf das räumliche
Gedächtnis und bei der Bilderkennung. Ängste
schienen unter Nikotin etwas geringer
ausgeprägt zu sein.
Als Nebenwirkungen trat bei einigen
Teilnehmern ein leichter systolischer
Blutdruckabfall ein, der jedoch klinisch
unauffällig blieb. Entzugssymptome nach dem
Ende der Therapie wurden nicht beobachtet.
Insgesamt beurteilten die Ärzte die Therapie
als gut verträglich.
Nikotin bindet Acetylcholin-Rezeptoren
Eine Wirksamkeit von Nikotin bei
altersbedingten Gedächtnisproblemen liegt
nahe. So gehen bei Morbus Alzheimer
bevorzugt Acetylcholin produzierende
Nervenzellen zugrunde.
Mit Cholinesterase hemmenden Antidementiva
versucht man den Acetylcholinspiegel
möglichst lange hoch zu halten. Nikotin
hingegen bindet an Acetylcholin-Rezeptoren
und kann daher den rarer werdenden
Neurotransmitter substituieren.
Die Studienautoren warnen jedoch davor, dass
Gesunde sich nun Nikotinpflaster aufkleben
oder gar zu rauchen anfangen, um ihre
geistigen Fähigkeiten zu verbessern. In
Studien mit Studenten brachte Nikotin keinen
Leistungsschub. Dieser sei wohl nur möglich,
wenn es im Gehirn tatsächlich an
Acetylcholin mangle.
Quelle:
www.aerztezeitung.de
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