25. August 2010
 

Ursula von der Leyen empfiehlt den forcierten Ausbau von Mehrgenerationenhäusern

 

Studierende der Fachhochschule der Diakonie (Bielefeld) fordern "Sozialkonten für Ehrenamtliche": Mit unentgeltlichen Sozialleistungen sollen Bürger für sich selbst Ansprüche auf spätere Unterstützung erwirtschaften können.

"Wer beispielsweise zwischen seinem 20. und 60. Lebensjahr durchschnittlich drei Stunden pro Monat eine soziale oder pflegerische Tätigkeit ausführt, erwirbt dementsprechend selbst einen Anspruch auf eine individuelle, unentgeltliche Fürsorge von ca. 1.500 Stunden ..."

Vorschläge verschiedenster Art hat Professor Dr. Tim Hagemann (Fachhochschule der Diakonie) in einem Taschenbuch zusammengestellt - "Deutschland morgen, Visionen unserer Zukunft."

Die Studierenden schlagen weiter vor, "dass man durch ehrenamtliches Engagement Rentenansprüche erwirtschaften kann. Beispielsweise bestünde für Menschen mit Phasen von Erwerbslosigkeit oder geringfügiger Beschäftigung die Möglichkeit, freie Zeiten zu nutzen, um so die materielle Sicherheit im Alter zu sichern. Die Träger sozialer Einrichtungen würden für die freiwillige Tätigkeit keinen Lohn auszahlen, aber für jede Stunde einen Beitrag in die Rentenkassen abführen ..."

Wie viele andere BeiträgerInnen des Buches reflektiert Dr. Ursula von der Leyen einen sozialen Ausgleich, z.B.: "Meine Vision ist, dass wir mit älteren Menschen andere, positivere und gleichwohl realistische Bilder verbinden - die erfahrene, zuverlässige Kollegin im Betrieb; die treue Kundin, die für Qualität und persönliche Beratung zu zahlen bereit ist; und nicht zuletzt den ehrenamtlich engagierten älteren Herrn, der im Mehrgenerationenhaus vorliest oder den Schülern morgens das Frühstück macht."

Mehrgenerationenhäuser sollten nach Ansicht der Ministerin möglichst häufig und in verschiedensten Varianten etabliert werden: "Häuser der persönlichen Begegnung und gegenseitigen Hilfe zwischen Alt und Jung, Häuser der Dienstleistungen und des bürgerschaftlichen Engagements."

Die überwiegende Zahl der Beiträge im Buch fordert realistisch ein wachsendes bürgerschaftliches Engagement, einige andere AutorInnen - v.a. aus der Politik - greifen weit darüber hinaus, Dr. Heiner Geißler etwa, der wiederum für "die Utopie einer neuen Weltwirtschaftsordnung" eintritt. Bewusst hat Tim Hagemann in seinem Vorwort Jürgen Habermas zitiert: "Wenn die utopischen Oasen austrocknen, breitet sich eine Wüste von Banalität und Ratlosigkeit aus."
 

Tim Hagemann (Hrsg.):
Deutschland morgen - Visionen unserer Zukunft.

Pabst, Lengerich/Berlin, 280 Seiten, ISBN 978-3-89967-629-7

   

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