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Eine Studie zu kardiovaskulären
Ergebnisparametern in Verknüpfung mit dem
gewichtsreduzierenden Medikament Rimonabant
wurde auf Grund hoher Raten von
Selbsttötungen und anderen psychiatrischen
Nebenwirkungen vorzeitig abgebrochen.
Professor Eric J. Topol und Kollegen vom
Scripps Translational Science Institute in
La Jolla verfassten hierzu einen aktuell
veröffentlichten detaillierten Artikel.
Rimonabant wirkt, indem es die
Cannabinoid-(CB)-1-Rezeptoren des Gehirns (Reward-System)
blockiert und somit Hungergefühl und
letztendlich Nahrungsaufnahme und
Fettleibigkeit verringert. Das Medikament
hilft auch, abnorme Werte des Soffwechsels
wie abweichende Triglyceride,
HDL-Cholesterine und Nüchternblutzucker zu
korrigieren. In der CRESCENDO-Studie
untersuchten die Autoren, ob Rimonabant das
ereignisfreie Überleben bezüglich wichtiger
Gefäße verbessert.
Diese Studie wurde in 974 Krankenhäusern in
42 Ländern durchgeführt, wobei 18 695
Patienten mit bereits länger bestehenden
oder gesteigerten Risiken einer
Gefäßerkrankung einbezogen wurden. Die
Patienten erhielten per Zufallsverfahren
entweder 20 Milligramm Rimonabant (n=9381)
oder ein entsprechendes Placebo (n=9314).
Primärer Endpunkt war eine Zusammensetzung
aus herzkreislaufbezogenem Tod,
Myokardinfarkt oder Schlaganfall.
Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit
von 13,8 Monaten wurde die Studie am 6.
November 2008 auf Grund der Bedenken der
Gesundheitsbehörden dreier Länder vorzeitig
beendet. Die Bedenken gründeten sich auf die
Selbsttötungen unter den
Rimonabant-Patienten in den klinischen
Studien wie auch unter jenen, die das
kommerziell zugelassene Präparat zum Zweck
der Gewichtsreduktion einnahmen. In der
CRESCENDO-Studie lagen die
Selbsttötungsraten vergleichsweise niedrig:
vier Patienten der Rimonabant-Gruppe (0,04
Prozent) und einer der Placebo-Gruppe (0,01
Prozent) begingen Suizid. Alle
randomisierten Teilnehmer wurden dennoch
analysiert, und die Forscher stellten fest,
dass der primäre Endpunkt aus
kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt oder
Schlaganfall in beiden Gruppen in
vergleichbaren Raten auftrat: 364 Patienten
(3,9 Prozent) Rimonabant-Patienten gegenüber
375 Placebo-Patienten (4,0 Prozent). Unter
Rimonabant waren gastrointestinale (33
Prozent vs. 22 Prozent), neuropsychiatrische
(32 Prozent vs. 21 Prozent) und
schwerwiegende psychiatrische Nebenwirkungen
(2,5 Prozent vs. 1,3 Prozent) signifikant
häufiger als unter Placebo.
Die Autoren stellen fest: "Die Ergebnisse
lieferten keine Hinweise auf eine Wirkung
des Rimonabants zur Vermeidung unerwünschter
herzkreislaufbezogener Ergebnisparameter,
festigten jedoch weiter seine Folgen,
schwerwiegende neuropsychiatrische
Nebenwirkungen hervorzurufen."
Professor Topol stellt die Ergebnisse in
einen Zusammenhang und bemerkt: "Wir denken,
unsere Ergebnisse werden für die zukünftige
Medikamentenentwicklung aufschlussreich
sein. Die Genomforschung könnte herangezogen
werden, um einer Verwendung des Medikaments
bei Personen mit hohem Risiko schwerer
unerwünschter Ereignisse zuvor zu kommen. Es
ist außerdem wichtig zu erkennen, wie
gefährdet eine solche große internationale
klinische Studie sein kann, auch wenn Fragen
zu Nebenwirkungen nicht vollständig
angesprochen wurden, in einer Zeit, wenn
Behörden entscheidend in den Ablauf von
Studien eingreifen können."
Auf Grund dieser Bedenken empfiehlt die
Europäische Arzneimittelagentur EMEA seit
Oktober 2008 Ärzten nicht länger, Rimonabant
zu verschreiben, während die
US-amerikanische
Arzneimittelzulassungsbehörde FDA das
Präparat von vornherein nicht zugelassen
hat.
In einem begleitenden Kommentar bemerken Dr.
S. Matthijs Boekholdt und Dr. Ron J. G.
Peters vom Academic Medical Center in
Amsterdam: "Wäre CRESCENDO vollständig
durchgeführt worden, hätte eine große
Verbesserung bei kardiovaskulären
Ergebnisparametern ein kleines Risiko
schwerer unerwünschter Ereignisse aufgewogen
haben können. Dies in vergleichbarer Weise
wie beispielsweise große
herzkreislaufbezogene Vorteile von Statinen
kleine Risiken einer Rhabdomyolyse
aufwiegen. Allerdings wird jegliche mit
vorbeugender kardiovaskulärer Therapie
verknüpfte Sterblichkeit generell als
inakzeptabel betrachtet."
Die Kommentatoren fügen hinzu, dass die
medizinische Überwachung der Anwendung des
Rimonabants, darunter regelmäßiges Screening
auf schwerwiegende neuropsychiatrische
Nebenwirkungen, in der täglichen Praxis eher
unwahrscheinlich ist, und folgern daher:
"Die Geschichte des Rimonabants könnte
getrübt sein durch die geringe öffentliche
und behördliche Akzeptanz für ein
Medikament, das entworfen wurde, den Folgen
unseres opulenten Lebensstils entgegen zu
wirken. Das Hauptaugenmerk sollte nun wieder
darauf gelegt werden, Patienten zu
ermutigen, ihre Kalorienaufnahme zu
kontrollieren und ihre körperliche Aktivität
zu steigern. Obwohl mühsam, so ist dieser
Ansatz ursächlich und sicher. Neue
Strategien sind notwendig, um diese
Lebensstiländerungen wirkungsvoll zu
erreichen."
Quelle:
http://www.thelancet.de/artikel/1042329
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