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"Familienmedizin ist im deutschen
Gesundheitswesen nicht verankert,"
kritisiert Dr. Jürgen Collatz (Hannover).
"Familienmedizinische Leistungen kommen in
der gesetzlichen Krankenversicherung kaum
vor." Zwar existieren einzelne
Versorgungsangebote, doch sie sind
mangelhaft vernetzt.
"Die Familien in Not oder in langfristig
prekären Situationen benötigen übergreifende
Hilfen. Die Distanzen medizinischer versus
sozialer oder psychologischer Dienste oder
Selbsthilfeorganisationen verstärken den
Vernetzungsmangel.
Förderung und Hilfen sind insbesondere für
Familien in prekären sozialen Situationen,
mit Fehlentwicklungen der Bindungen und
Familiendynamik notwendig."
Unter den Stichworten Prävention und
Rehabilitation werden meist berufliche
Eingliederungsaspekte gesehen - und seltener
Kinder mit ihren Müttern. Doch Collatz
warnt: "Soll die derzeitige Kindergeneration
nicht die erste Generation sein, die kürzer
leben wird als ihre Eltern, muss eine
verhängnisvolle Entwicklungskette vermieden
werden: frühe Fehlernährung und
Bewegungsarmut, früh auftretendes
Übergewicht bis zur Fettsucht, Verhaltens-
und psychische Störungen, früh auftretende
Erkrankungen wie Diabetes, Krebs,
Herzerkrankungen und daraus folgend eine
frühe Invalidität.
Nur durch erfolgreiche präventive
Interventionen unter Einbezug der Familien
kann vermieden werden, die Mittel der
Gesundheitsversorgung und der sozialen
Hilfen zu überfordern." Collatz sieht eine
präventive Familienmedizin nicht als
zusätzlichen Kostenfaktor, sondern als
Investition, die langfristig wesentliche
Einsparpotentiale freisetzt.
Einen kritischen Überblick zum Thema bietet
ein aktueller Aufsatzband, herausgegeben von
Jürgen Collatz und eingeleitet von Ursula
von der Leyen.
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