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"Es konnte vorkommen, dass man von der
Treppe her dumpfe Geräusche hörte, wie wenn
ein großes Tier heraufkäme. Der Türflügel
wurde aufgestoßen, man vernahm ein Keuchen,
die Anstrengung eines Körpers, der sich
mühsam durch die Tür zwängte, und zum
Vorschein kam eine junge, große, blonde
Frau.
Ihre prallen Brüste hoben sich beim Atmen,
über ihre Lippen strömte ein frischer,
heftiger Atem; Haarsträhnen fielen ihr ins
Gesicht - über die hellblauen Augen. Ihre
Beine waren nackt.
Es war Domenica.
Sie blieb nur kurz: Paolos Anwesenheit
schüchterte sie ein. Und dabei machten ihr
die Männer nicht wirklich Angst; sie trieb
es sogar mit den Bauern von Tetto Murato. Wo
immer sie auftauchte, erregte sie die
Eifersucht der Frauen. Ihr Mann war im
Gefängnis, und sie wirkte erschrocken bei
dem Gedanken an seine Freilassung ..."
Lalla Romano coloriert in "Schattenfugen"
dörfliche Szenen im Piemont gegen Ende des
zweiten Weltkriegs. Die Anlehnung an Goethes
Wahlverwandtschaften ist frappierend. Die
exakt 52 Situationsskizzen des Romans bilden
einen Zyklus aus Impressionen in zart
angedeuteten Pastellfarben, Kontraste zu den
bedrohlichen Konturen des Krieges, im
Szenario der norditalienischen
Berglandschaft
"In und mit Schattenfugen schuf Lalla Romano
einen verzauberten Raum, ein Reich des
Märchenhaften, eine seltsame Gegend
angenehmer ´Unwirklichkeit´, in der wir uns
logisch und sicher bewegen, ohne behaupten
zu können, dass der Zauber Lüge sei,"
kommentiert Heinz Willi Wittschier den
Roman.
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