25. Juli 2010
 

Wahlverwandtschaften im Piemont: Schattenfugen, Roman von Lalla Romano

 

"Es konnte vorkommen, dass man von der Treppe her dumpfe Geräusche hörte, wie wenn ein großes Tier heraufkäme. Der Türflügel wurde aufgestoßen, man vernahm ein Keuchen, die Anstrengung eines Körpers, der sich mühsam durch die Tür zwängte, und zum Vorschein kam eine junge, große, blonde Frau.

Ihre prallen Brüste hoben sich beim Atmen, über ihre Lippen strömte ein frischer, heftiger Atem; Haarsträhnen fielen ihr ins Gesicht - über die hellblauen Augen. Ihre Beine waren nackt.

Es war Domenica.

Sie blieb nur kurz: Paolos Anwesenheit schüchterte sie ein. Und dabei machten ihr die Männer nicht wirklich Angst; sie trieb es sogar mit den Bauern von Tetto Murato. Wo immer sie auftauchte, erregte sie die Eifersucht der Frauen. Ihr Mann war im Gefängnis, und sie wirkte erschrocken bei dem Gedanken an seine Freilassung ..."

Lalla Romano coloriert in "Schattenfugen" dörfliche Szenen im Piemont gegen Ende des zweiten Weltkriegs. Die Anlehnung an Goethes Wahlverwandtschaften ist frappierend. Die exakt 52 Situationsskizzen des Romans bilden einen Zyklus aus Impressionen in zart angedeuteten Pastellfarben, Kontraste zu den bedrohlichen Konturen des Krieges, im Szenario der norditalienischen Berglandschaft

"In und mit Schattenfugen schuf Lalla Romano einen verzauberten Raum, ein Reich des Märchenhaften, eine seltsame Gegend angenehmer ´Unwirklichkeit´, in der wir uns logisch und sicher bewegen, ohne behaupten zu können, dass der Zauber Lüge sei," kommentiert Heinz Willi Wittschier den Roman.

 

Lalla Romano: Schattenfugen. Roman
180 Seiten, Hardcover mit farbigem Schutzumschlag, ComMedia&Arte, Pabst

   

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