5. Juli 2010
 

Komik und Wissenschaft: Umgehungen der Systeme

 

In einem Londoner Männer-Pissoir stand geschrieben: "Die Zukunft der Menschheit liegt in euren Händen." Den italienischen Biologen Giorgio Celli faszinieren daher die Zusammenhänge zwischen dem Animalischen, dem Komischen und unseren Überlebenschancen. Im Bann derartiger Fragestellungen gelang Celli eine Essaysammlung "Komik und Wissenschaft" - in deutscher Übersetzung unter dem irreführenden Titel "Der letzte Alchemist" erschienen.

"Cellis kurze Essays sprechen von einer Wissenschaft, die zweifellos Wissenschaft ist - eine Aneinanderreihung aufgespießter Fakten und Entdeckungen, eine Sinfonie der Geschichte der Erfindungen und Intuitionen der Großen, aber eine Wissenschaft, aus halb geschlossenen Augen betrachtet, möglicherweise mit einem Glas Alkohol in der Hand, wodurch bestimmte, präzisere Konturen fallengelassen, Schauplätze dezentralisiert und Peripherien erfasst werden ...

Eine Wissenschaft, bestehend aus schlagfertigen Antworten, Aphorismen, Flashes und Gags, aus bewundernswerten Umgehungen der Systeme", testiert Umberto Eco in seinem Vorwort.

Celli klärt uns auf, wie massiv wir Insekten zu unterschätzen pflegen: Sie "legen Verhaltensweisen von seltener Komplexität an den Tag; zum Beispiel treiben sie Ackerbau, indem sie Pilze ziehen (Ameisen und Termiten) oder eine rudimentäre Form von Viehzucht (die Ameisen beuten den Honig der Blattläuse aus). Die parasitären Hautflügler wiederum paralysieren ihre Beute mit geschickten chirurgischen und toxikologischen Operationen, wobei sie Stachel und Gift einsetzen, um die Opfer lebend, aber wehrlos ihren Larven als Nahrung zu übergeben, und sie sind - im Gegensatz zu uns - imstande, über das Geschlecht ihrer Nachkommen zu entscheiden."

Der Entomologe ist sich dessen ernstlich bewusst, "dass die Insekten schon jeher einen Kampf mit uns führen, der bis jetzt weder Sieger noch Besiegte kennt, sich aber doch immer stärker zu unseren Ungunsten entwickelt ..."

 

   

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