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Für Menschen, deren Halsschlagader durch
kalkhaltige Ablagerungen stark verengt ist,
gibt es eine gleichwertige
Behandlungsalternative zum bisherigen
operativen Verfahren. Mit einem Katheter
dehnen die Ärzte die Halsarterie auf und
setzen dann eine Gefäßstütze, einen Stent,
ein. Vor allem bei jüngeren Patienten kann
damit ebenso zuverlässig einer
Durchblutungsstörung des Gehirns und
Schlaganfällen vorgebeugt werden wie mit
einer Operation. Darauf weist die Deutsche
Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR)
anlässlich einer aktuellen US-amerikanischen
Studie hin, die im „New England Journal of
Medicine“ erschienen ist.
An der CREST-Studie beteiligten sich 2 502
Patienten, die bereits einen Schlaganfall
erlitten hatten oder bei denen wegen einer
erheblich verengten Halsschlagader ein
Schlaganfall drohte. Die Hälfte der
Patienten wurde mit dem bisherigen
Standardverfahren, der
Karotis-Endarteriektomie, behandelt.
„Hierbei öffnen die Ärzte die Schlagader und
schälen die kalkhaltigen Ablagerungen aus
der Wand heraus“, erklärt Professor Dr. med.
Joachim Berkefeld vom Institut für
Neuroradiologie an der Universitätsklinik
Frankfurt am Main. Die andere Hälfte der
Studienteilnehmer erhielt eine
Katheterbehandlung mit Stent.
Nur 4,1 Prozent der Patienten erlitten im
ersten Monat nach dem Kathetereingriff einen
Schlaganfall, der bei 0,9 Prozent schwere
Folgen hatte. Nach der Operation erlitten
2,3 Prozent der Patienten einen
Schlaganfall, bei 0,3 Prozent mit schwerer
Folge. „Die etwas höhere Rate an
Schlaganfällen in der mit Stents behandelten
Gruppe wurde durch eine geringere Rate an
Herzinfarkten wieder aufgehoben. Ein
Herzinfarkt trat nach der Operation bei 2,3
Prozent der Patienten, nach der
Katheterbehandlung nur bei 1,1 Prozent auf“,
so Berkefeld.
Entscheidend für den Erfolg der
Katheterbehandlung sei vor allem die
Erfahrung der behandelnden Ärzte, erklärt
Berkefeld. Denn der Eingriff erfordere Übung
und besondere Vorsicht und sei – ebenso wie
die OP – nicht ohne Risiken: „Eine Gefahr
besteht darin, dass sich bei der
Stentbehandlung Teile der Kalkablagerungen
lösen und im Gehirn ein Gefäß verlegen. Dann
kann der Eingriff den Schlaganfall auslösen,
vor dem er eigentlich schützen soll.” Dieses
Risiko kann jedoch durch eine gute
Ausbildung der Ärzte und standardisierte
Techniken minimiert werden, so der Experte
von der Deutschen Gesellschaft für
Neuroradiologie weiter. „In der CREST-Studie
mussten die Ärzte dokumentieren, dass sie
mehr als zwölf Katheterbehandlungen im Jahr
durchführen und ihre Komplikationsrate unter
drei bis fünf Prozent liegt.”
„In den Händen eines erfahrenen Arztes ist
die Katheterbehandlung heute eine sichere
Alternative zur Operation dieser für die
Gehirndurchblutung sehr wichtigen Arterie”,
schlussfolgert auch der Präsident der DGNR,
Professor Dr. med. Rüdiger von Kummer.
Besonders günstig waren die Ergebnisse bei
50 bis 70jährigen Patienten, bei denen die
Stenosen leichter mit dem Katheter erreicht
werden können. Bei älteren Menschen mit
einem ausgedehnten Befall der Halsschlagader
sei die Operation häufig die bessere Wahl.
„Wir entscheiden hier immer im Einzelfall
zusammen mit Gefäßchirurgen, Neurologen und
Angiologen, um für jeden Patienten eine
optimale Lösung zu finden“, so von Kummer.
Symptomfreien Patienten mit Einengungen der
Halsschlagader wird die Behandlung innerhalb
einer Studie empfohlen, die die rein
medikamentöse Behandlung mit der Operation
und der Katheterintervention vergleicht
(SPACE-2).
Literatur:
Brott TG et al.: Stenting versus
Endarterectomy for Treatment of
Carotid-Artery Stenosis. In: New England
Journal of Medicine 2010; doi:
10.1056/NEJMoa0912321
Quelle:
http://idw-online.de/pages/de/news376920
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