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Der Nephrologie am Universitätsklinikum
Freiburg, unter der Leitung von Professor
Dr. Gerd Walz, ein erster Durchbruch bei der
Behandlung von Zystennieren gelungen. In
einer großen Studie konnte gezeigt werden,
dass man mit dem Medikament Everolimus,
welches sonst in der Nierentransplantation
eingesetzt wird, das Wachstum von
Nierenzysten verzögern kann.
Die Freiburger Wissenschaftler
veröffentlichten die Ergebnisse im
renommierten Fachmagazin „New England
Journal of Medicine“
Die Freiburger Nephrologie beschäftigt sich
seit vielen Jahren mit Zystennieren – einer
angeborenen Erkrankung, die im Laufe des
Lebens die Nieren zerstören kann. Oft werden
die Nieren so groß, dass sie entfernt werden
müssen. Die Folge ist, dass viele
Patientinnen und Patienten im Alter von etwa
50 Jahren auf eine Nierenwäsche angewiesen
sind, um am Leben zu bleiben. Die
Gewissheit, dass dieses Schicksal irgendwann
auf jeden Träger dieser Erkrankung zukommt,
belastet die Patienten und ihre Angehörigen
lebenslang. Durchschnittlich erbt jedes
zweite Kind die Erkrankung von seinen
Eltern, aber sie kann auch spontan
auftreten.
Nun ist der Nephrologie am
Universitätsklinikum Freiburg, unter der
Leitung von Professor Dr. Gerd Walz, ein
erster Durchbruch bei der Behandlung von
Zystennieren gelungen. In einer großen
Studie konnte gezeigt werden, dass man mit
dem Medikament Everolimus, welches sonst in
der Nierentransplantation eingesetzt wird,
das Wachstum von Nierenzysten verzögern
kann. Bei einzelnen Patienten führte das
Medikament auch zu einer besseren
Nierenfunktion. An der Studie haben sich 24
akademische Zentren in drei Ländern und über
430 Patienten beteiligt.
Die Ergebnisse der Studie wurden am 26. Juni
2010 im renommierten medizinischen
Fachmagazin „New Journal of Medicine“ online
veröffentlicht. Zeitgleich wurden die
Ergebnisse auf dem internationalen
Nieren-Kongress, dem ERA-EDTA-Kongress in
München, mehreren tausend Nephrologen aus
aller Welt präsentiert.
Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass
es erstmals möglich ist, auch genetische
Erkrankungen durch Tabletten zu
beeinflussen. Bisher schien nur der Ersatz
der Genfunktion möglich. Mit den neuen
Befunden wird nun ein Paradigmenwechsel
eingeleitet, denn offensichtlich ist es
möglich, auch komplexe genetische
Erkrankungen mit Medikamenten zu behandeln.
Voraussetzung hierfür ist, dass man die
pathogenetischen Zusammenhänge ausreichend
gut versteht. Hier haben Labore in aller
Welt, vor allem aber auch in Freiburg, in
jahrzehntelanger Kleinarbeit wichtige
Aspekte der Krankheitsentstehung
herausgearbeitet.
„Das sind wirklich gute Nachrichten für die
Patientinnen und Patienten, die an dieser
Erkrankung leiden, vor allem, wenn sie sich
noch in einem frühen Stadium befinden“, so
Professor Walz. „Allerdings werden weitere
Studien notwendig sein, um den optimalen
Einsatz der Medikamente herauszufinden. Denn
wie so oft hat auch dieses Medikament nicht
nur positive Wirkungen, sondern auch
erhebliche Nebenwirkungen. Es ist daher zu
früh, das Medikament bedenkenlos und
außerhalb von weiteren Studien einzunehmen“,
warnt er.
Zu den vielversprechenden Ergebnissen kamen
die Freiburger Wissenschaftler nicht über
Nacht: Bereits vor einigen Jahren haben sie,
zusammen mit Arbeitsgruppen in den USA,
herausgefunden, dass die Erkrankung zu
verschiedenen Störungen der
Signalübertragung in den betroffenen
Nierenzellen führt. Schon 2005 konnte die
Abteilung mit einer vielbeachteten Arbeit im
Journal „Nature Genetics“ wesentliche
Hinweise für die zellulären Programme
liefern, die bei Zystennieren gestört sind.
Im Jahr 2006 entschlossen sich die
Freiburger Nephrologen dazu, eine
europäische Studie zu initiieren, um die
Wirksamkeit einer bestimmten
Medikamentengruppe, der so genannten
mTOR-Inhibitoren, zu testen.
Die Freiburger Nephrologie des
Universitätsklinikums Freiburg ist personell
so gut aufgestellt, dass sie auch in Zukunft
ihren Beitrag an dem Fortschritt leisten
wird. Seit fast zwei Jahren verfügt die
Abteilung über eine klinische
Forschergruppe, in der Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler aus verschiedenen
Bereichen der Universität zusammenarbeiten,
um die Grundlagen der Zystennieren zu
verstehen. Zusätzlich beteiligt sich die
Abteilung an groß angelegten
epidemiologischen Studien, die den
genetischen Hintergrund für
Nierenerkrankungen und den Verlust der
Nierenfunktion verstehen möchten. Erste
Erfolge konnten hier ebenfalls verbucht
werden, als Dr. Anna Köttgen in einer
spektakulären Arbeit in der Zeitschrift
„Nature Genetics“ erste Kandidatengene für
ein chronisches Nierenversagen
identifizierte. Die junge Wissenschaftlerin
bereicherte 2009 das Team der Nephrologen,
als sie von der berühmten Johns Hopkins
Universität nach Freiburg wechselte.
„Wir haben in Freiburg nach zehnjähriger
Aufbauarbeit ein tolles Team
zusammenbekommen. Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler arbeiten an der
Fruchtfliege, dem Fadenwurm und an
Froschlarven, um die Entstehung von
Zystennieren zu verstehen“, berichtet
Professor Walz stolz von seiner Mannschaft.
„Interessierte Studentinnen und Studenten,
die zu begeisterungsfähigen, talentierten
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
werden, sind unser Betriebsgeheimnis“,
ergänzt er. „Dank diesem Team kann ich
optimistisch in die Zukunft blicken.“
Quelle:
http://idw-online.de/pages/de/news376589
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