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Prof.
Dr. Lars S. Maier im Labor (Foto: privat) |
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Wissenschaftler am Herzzentrum der
Universitätsmedizin Göttingen haben erstmals
einen bisher unbekannten Mechanismus im
Herzen von Patienten mit Vorhofflimmern,
einer Form von Herzrhythmusstörung,
erforscht und beschrieben. Die
Forschergruppe aus Kardiologen und
Herzchirurgen unter der Leitung von Prof.
Dr. Lars S. Maier, Oberarzt in der Abteilung
Kardiologie und Pneumologie (Direktor: Prof.
Dr. Gerd Hasenfuß) fand heraus, dass auch
die Natrium-Kanäle des Herzens von Bedeutung
sind, wenn Patienten an Vorhofflimmern
erkranken.
Die Forschungsergebnisse wurden im Mai 2010
in der renommierten Fachzeitschrift „Journal
of the American College of Cardiology“ (JACC)
in einer Spezialausgabe des Journals
veröffentlicht.
Natrium-Kanäle beeinflussen entscheidend die
elektrische Aktivität des Herzmuskels. Sie
dienen quasi als „Taktgeber“ für die normale
elektrische Erregung des Herzens.
Entscheidend für einen gesunden Takt ist
eine eng aufeinander abgestimmte Menge an
frühem und spätem Natrium-Einstrom. „Anders
als bei gesunden Menschen fanden wir bei
Vorhofflimmer-Patienten den späten
Natrium-Einstrom in die Herzmuskelzellen
deutlich verstärkt“, sagt Prof. Maier.
„Normal und gesund ist ein später
Natrium-Einstrom von etwa ein Prozent im
Vergleich zum frühen Natrium-Einstrom. Bei
Vorhofflimmer-Patienten haben wir Werte für
den späten Natrium-Einstrom gemessen, die
rund 25 Prozent höher lagen.“
Mit Hilfe eines spezifischen Hemmstoffes
konnten die Wissenschaftler diesen gestörten
späten Natrium-Einstrom in isolierten
Herzmuskelzellen vermindern. „Wir hoffen,
mit dieser Erkenntnis den Patienten in
Zukunft gezielter helfen zu können“, sagt
Prof. Maier: „Zudem könnte der Hemmstoff die
Pumpfunktion des Herzens bei Herzschwäche
verbessern. Denn wir wissen mittlerweile,
dass der vermehrte späte Natrium-Einstrom
auch in den Herzkammern bei Patienten mit
Herzschwäche (Herzinsuffizienz) zu finden
ist.“
Als Ursache für Vorhofflimmern und
Herzschwäche war bisher nur der gestörte
Kalzium-Stoffwechsel bekannt. Der jetzt
beschriebene vermehrte späte Einstrom von
Natriumionen in den Herzmuskel könnte auch
erklären, warum Patienten mit Herzschwäche
häufiger unter dieser Art von
Herzrhythmusstörung leiden. Dazu
untersuchten die UMG-Wissenschaftler
Herzmuskelzellen von Patienten mit
Vorhofflimmern im Labor.
„Wir erhoffen uns von diesen Untersuchungen
weitere Erkenntnisse für neue
Behandlungsansätze. Unsere aktuellen
klinischen Studien helfen uns dabei, weitere
Verbesserungen für die Behandlung zu
erhalten“, sagt Prof. Hasenfuß, Mitautor und
Direktor der Abteilung Kardiologie und
Pneumologie. Das Forschungsprojekt wurde
wesentlich durch das Heisenberg-Programm der
Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und
die DFG-Klinische-Forschergruppe-155
gefördert.
Vorhofflimmern und Natrium-Kanal
Vorhofflimmern ist die häufigste
Herzrhythmusstörung. Allein in Deutschland
leiden rund 300.000 Menschen an dieser
Erkrankung.
Der Natrium-Kanal des Herzens dient als
„Taktgeber“ für die normale elektrische
Erregung des Herzens. So gibt er unter
anderem den Anstoß für das so genannte
Aktionspotential im Herzmuskel. Bei Störung
der Funktion dieses Kanals kann es zu
Herzrhythmusstörungen kommen. Bisher war
nicht bekannt, dass eine Fehlregulation des
Natrium-Kanals für das Auftreten von
Vorhofflimmern eine Rolle spielt.
Quelle:
http://idw-online.de/pages/de/news373266
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