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Das eigene Immunsystem trägt offenbar
zumindest eine Mitschuld am Entstehen von
Narkolepsie – einer Krankheit, bei der die
Betroffenen tagsüber plötzlich und
unkontrolliert einschlafen: Die Körperabwehr
greift Nervenzellen im Gehirn an, die für
die Kontrolle und Steuerung von Schlafen und
Wachen zuständig sind, hat jetzt ein
internationales Forscherteam entdeckt. Zwar
gab es bereits zuvor den Verdacht, es könnte
sich bei der Krankheit um eine
Autoimmunerkrankung handeln, bei der das
Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes
Gewebe attackiert. Erst jetzt sei es jedoch
gelungen, tatsächlich Antikörper gegen eine
bestimmte Eiweißstruktur auf der Oberfläche
von Körperzellen nachzuweisen, schreiben die
Forscher.
Narkolepsie ist eine grundlegende Störung im
Schlaf-Wach-Rhythmus. Viele der Betroffenen
leiden tagsüber unter einer extremen
Schläfrigkeit und schlafen immer wieder
unvermittelt ein. Daneben kommen plötzliche
Muskelerschlaffungen vor sowie große
Probleme, nachts normal durchzuschlafen. Was
genau dieses neurologische Problem auslöst,
ist bislang nicht bekannt. Eine
Schlüsselrolle scheint allerdings ein Mangel
des Hormons Orexin im Gehirn zu spielen, das
neben dem Appetit auch den
Schlaf-Wach-Zyklus kontrolliert. Verursacht
wird dieser Mangel zumindest in manchen
Fällen offenbar dadurch, dass die für die
Produktion zuständigen Nervenzellen nur
beeinträchtigt arbeiten oder sogar zerstört
werden – ein Vorgang, der bereits früher dem
eigenen Immunsystem zugeschrieben wurde.
Vesna Cvetkovic-Lopes von der Universität in
Genf und ihre Kollegen konnten diese These
nun untermauern: Sie entdeckten, dass auf
der Oberfläche der entsprechenden
Nervenzellen ungewöhnlich große Mengen eines
Proteins namens Trib2 zu finden sind. Dieses
Eiweißmolekül ist bereits früher im
Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen in
Erscheinung getreten, denn es spielt
vermutlich bei bestimmten vom Immunsystem
ausgelösten Augenentzündungen eine Rolle.
Auch bei der Narkolepsie scheint es ein
bevorzugtes Ziel des Immunsystems zu sein,
zeigten weitere Tests: Im Blut von einigen
Betroffenen fanden die Forscher deutlich
erhöhte Mengen eines Antikörpers, der
speziell gegen Trib2 gerichtet ist. Am
stärksten war die Antikörpermenge bei
Patienten erhöht, bei denen die Krankheit
erst kürzlich ausgebrochen war. Anschließend
scheint es einen Abfall der
Antikörperkonzentration zu geben, bevor sich
der Spiegel auf einem immer noch
überdurchschnittlichen Niveau stabilisiert.
Dieser Verlauf lasse vermuten, dass
Narkolepsie im Gegensatz zu anderen
Immunerkrankungen nicht auf eine ständige
oder wiederholte Attacke des Immunsystems
zurückgeht, sondern auf einen einmaligen
akuten Angriff, schreiben die Forscher.
Allerdings lasse sich bisher nicht sagen, ob
dieser Mechanismus bei jedem
Narkolepsie-Patienten am Werk sei – in
einigen Fällen habe es keine erhöhten
Trib2-Antikörper gegeben. Vermutlich sei das
Protein daher nicht das einzige Ziel, das
die Immunreaktion auslösen könne. Dass es
sich jedoch grundsätzlich um eine
Autoimmunreaktion handelt, bezweifeln die
Forscher nicht: Erste Tests mit einer
Immuntherapie seien bereits erfolgreich
verlaufen, berichten sie.
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