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Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeit
stellen besonders bei älteren Menschen ein
wachsendes Problem dar: 1,7 bis 2,8 Mio. der
über 60-jährigen Frauen und Männer weisen
einen problematischen Gebrauch psychoaktiver
Medikamente bzw. von Schmerzmitteln auf oder
sind gar als medikamentenabhängig zu
bezeichnen. Der Übergang von der
medikamentösen Einnahme aus medizinischen
Gründen hin zur dauerhaften missbräuchlichen
Einnahme ist oft fließend – und erfolgt
häufig unbewusst. Medikamentenabhängigkeit
ruft bei älteren Menschen oftmals Stürze
hervor, die in der Regel zur
Pflegebedürftigkeit führen. Infolge dessen
entstehen enorme Kosten für das
Gesundheitssystem.
Steigende Zahl älterer Menschen als
„potenzielle“ Risikogruppe
Die Anzahl der über 80-Jährigen wird künftig
noch deutlich ansteigen. Diese Altersgruppe
weist allgemein ein höheres Risiko auf,
pflegebedürftig zu werden. Zugleich steigt
die Notwendigkeit medizinischer Behandlung.
Auftretende Schlafstörungen werden häufig
medikamentös mit Schlaf- und
Beruhigungsmitteln, sog. Benzodiazepinen,
behandelt, obwohl Veränderungen der
Schlafmuster mit kürzerem Schlaf zumeist
biologisch bedingt sind. Von diesen Mitteln,
deren „Hauptkonsumenten“ ältere Menschen
sind, geht ein außerordentlich hohes
Suchtpotenzial aus: Sie führen bei
langfristiger regelmäßiger Einnahme
nachweislich zu Abhängigkeit.
Nicht fachgerechte ärztliche Versorgung
und/oder unsachgemäße Anwendung führen (un)bewusst
in die Abhängigkeit
Ältere Menschen, insbesondere ältere Frauen,
konsumieren bis zu drei Mal mehr
Arzneimittel als die
Durchschnittsbevölkerung. Die Einnahme der
oft von verschiedenen Fachärzten
verschriebenen Medikamente mit diversen
Wirkstoffen führen zu unkalkulierbaren
Wechsel- und Nebenwirkungen. Hinzu kommen
auf Privatrezept verschriebene Medikamente.
Gerade bei älteren Menschen ist jedoch die
Toleranz gegenüber Wirkungen von
Benzodiazepinen gering ausgeprägt, so dass
es zu einer schleichenden Intoxikation
kommen kann. Das Auftreten psychotischer und
depressiver Zustände sowie demenzähnliche
Ausfälle sind die Regel. Besonders stark
sind diese Folgen in der stationären
Altenpflege zu beobachten. Hier wird der
Anteil der von Psychopharmaka abhängigen
Bewohner/-innen über 70 Jahre auf mindestens
25% geschätzt.
Stürze und Sturzgefahren als gefährliche
Konsequenz
Die Abhängigkeit von Benzodiazepinen in Form
von Beruhigungs- und Schlafmitteln im Alter
zieht ein um 66% erhöhtes Sturzrisiko durch
Schwindel und Gangunsicherheit nach sich.
Allein für Altenpflegeheime wird von
jährlich einer Million Stürzen ausgegangen.
Die Folge sind u. a. Oberschenkelhalsbrüche,
welche enorme gesundheitliche Konsequenzen
und hohe Folgekosten für das
Gesundheitswesen nach sich ziehen. Die
Behandlung sturzbedingter Verletzungen vor
allem bei Hochaltrigen ist langwierig und
nur eingeschränkt erfolgreich. Aber auch
ohne Sturz kann die erforderliche
Versorgungs- und Pflegeintensität im Fall
einer Überdosierung von Benzodiazepinen
deutlich ansteigen. Durch „Schlafmittel-Hangover“
in der morgendlichen Versorgung fällt der
Unterstützungsbedarf deutlich höher aus,
Bewegungsabläufe und Reaktionen sind
verlangsamt.
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen
fordert deshalb:
-
Flächendeckende Behebung der bestehenden
Qualifikations- und Kompetenzdefizite bei (Haus-)Ärzten
durch die Bundesärztekammer, bei Pflegekräften
durch die verantwortlichen Einrichtungsträger
sowie durch entsprechende
Ausbildungsinstitutionen.
-
Konsequente Aufklärung älterer Menschen und deren
Angehöriger über Risiken und Folgen einer
Medikamentenabhängigkeit durch Benzodiazepine
durch öffentlichkeitswirksame Kampagnen.
-
Zur Unterstützung der Pflegeeinrichtungen:
Eindeutige Handlungskonzepte zum Umgang mit
Abhängigkeit erzeugenden Arzneimitteln. Hiermit
würde ein wichtiger Beitrag zur Besserung der
Gesundheit bzw. der Lebensqualität im Alter
geleistet.
-
Erstellung und Verbreitung nichtmedikamentöser
Interventionskonzepte zur Senkung der
Medikamentengaben 1. zur Reduzierung des
Missbrauchs psychoaktiver Medikamente, 2. zur
Frühintervention bei unsachgemäßem Gebrauch und 3.
zur Erhöhung der Sorgfaltspflicht bei der
Verschreibung psychoaktiver Arzneimittel durch
Mediziner unter Einbeziehung aller beteiligten
Berufsgruppen.
-
Aus Bundesmitteln geförderte Studie mit validen,
nicht auf Schätzungen basierenden Zahlen und Daten
zu Medikamentenkonsum und -abhängigkeit im Alter
und deren Auswirkungen, Konsequenzen sowie
Folgekosten.
Quelle:
http://www.dhs.de/makeit/cms/cms_upload/dhs/pmmedikamente.pdf
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