8. März 2010
 

Angehörigen-Besuch auf der Intensivstation: Restriktive Regelungen, jedoch häufige Abweichungen

   

"Auf deutschen Intensivstationen werden überwiegend restriktive Besuchsmodelle genutzt. Geregelt werden Zeit, Dauer, Anzahl, Art und Alter der Besucher: Der überwiegende Teil der Pflegenden ist damit einverstanden. Doch weichen sie häufig von den Regelungen ab - insbesondere in der Sterbephase, aber auch auf persönlichen Wunsch von Patient oder Angehörigen." Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage-Studie von Stefan Juchems (Universität-Witten-Herdecke).

"Das Abweichen geschieht sehr willkürlich. Besuchsregelungen scheinen für Intensivpflegende ein wichtiges Thema zu sein; die inkonsistente Beantwortung der Fragen zeigt jedoch, dass die Grenze zwischen offizieller und gelebter Regelung stark verschwommen ist und auch so wahrgenommen wird. Die meisten Pflegenden geben an, dass im Team eine sehr unterschiedliche Meinung zur Bedeutung der Angehörigen für den Patienten besteht. Dies könnte das willkürliche Abweichen von offiziellen Besuchsregelungen oft erklären. Die überwiegende Anzahl der Pflegenden empfindet Arbeit mit Angehörigen als Teil ihrer Arbeit."

Der Autor postuliert: "Es bedarf einer allgemeingültigen Definition für das ´offene Besuchsmodell´. Ein in Ansätzen ´offenes Besuchsmodell´ im Sinne eines familienorientierten Pflegeverständnisses kommt bereits zur Anwendung - hauptsächlich in der Pädiatrie. Demnach können Kinder-Intensivstationen eine Orientierungshilfe sein für alle Bereiche, die ihr Besuchsmodell an die wissenschaftlichen Erkenntnisse adaptieren wollen."

 

   

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